Die Abwanderung war und ist auch dem Landeshauptmann ein Anliegen. So war es eines seiner erklärten Ziele, die Abwanderung zu stoppen. Kärnten ist aber noch immer das einzige Bundesland mit einem Bevölkerungsabgang.

Im Koalitionspoker kokettiert Benger mit der Ansage, dass die ÖVP jeden zum Landeshauptmann wählen würde, der bereit sei, Reformen im Land umzusetzen - was wiederum auf die FPÖ unter Spitzenkandidat Gernot Darmann anspielen könnte. Der erhofft sich nach dem historischen Absturz bei der letzten Wahl kräftige Zugewinne, wobei Platz eins als Wahlziel zuletzt wieder in den Hintergrund gerückt ist. Im Wahlkampf setzt das Mitglied eines Mittelschüler-Kartellverbands bisher auf eher gemäßigte Töne, auch bei möglichen Koalitionspartnern möchte er niemanden ausschließen. Programmatisch stellt Darmann das Thema Sicherheit in den Mittelpunkt, die Polizei soll personell aufgestockt werden, außerdem setzt er sich für eine Stärkung der Lehre und gegen die Schließung von Volksschulstandorten ein.

Immerhin haben es die Blauen in Kärnten mit ihrem verhältnismäßig bedächtigen Auftritt geschafft, dass keine Partei eine Koalition mit ihnen ausschließen will - abgesehen von den Grünen. "Die Grünen machen nicht Blau", betont Spitzenkandidat Rolf Holub, der jedoch selbst mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Im Vorjahr hat sich die Liste "F.A.I.R." um die ehemalige Landessprecherin Marion Mitsche von den Grünen abgespalten, diese bangen nun um den Wiedereinzug in den Landtag. Am ehesten ist dieser über ein Grundmandat in Klagenfurt zu erreichen. Die Grünen setzen daher voll auf ihren Langzeit-Spitzenkandidaten und traditionelle Kernthemen wie Umwelt- und Naturschutz.

Bei einem etwaigen Ausscheiden der Grünen aus dem Landtag könnte das Team Kärnten unter Gerhard Köfer Zünglein an der Waage werden. Köfer, einst SPÖ-Bürgermeister in Spittal/Drau und 2013 Stronach-Kandidat, versucht es dieses Mal alleine. Der Wahlkampf ist auf seine Person zugeschnitten, viele seiner einstigen Mitstreiter haben sich abgewandt - und dann gab es da noch eine E-Mail-Affäre um die Ehefrau eines Parteifreundes, die vor allem von den Boulevardmedien begeistert aufgenommen wurde.

Zehn Parteien stellen
sich der Wahl

Programmatisch hat sich Köfer zum Ziel gesetzt, die Pro-Kopf-Verschuldung und die Armut in Kärnten zu bekämpfen. Sein Wiedereinzug in den Landtag ist jedoch ebenso fraglich wie der des BZÖ. Die Orangen um Obmann Helmut Nikel sehen sich als die politisch legitimen "Erben Jörg Haiders" und wollen bei Wohnbau, Pflege, Krankenanstalten und Bildung den Hebel ansetzen.

Die Fünf-Prozent Hürde ist auch für andere Gruppierungen der Knackpunkt, insgesamt treten zehn Parteien zum Wahlgang an. Zum ersten Mal kandidieren die Neos, die eine Wahlgemeinschaft mit der Plattform "Moja juzna koroska - Mein Südkärnten" eingegangen sind. Ihnen werden geringe Chancen eingeräumt, ebenso der erwähnten Liste "F.A.I.R.", der Gruppe "Verantwortung Erde" und den Kommunisten, die nur in drei Wahlkreisen antreten.