Wien. (jm) Alfred Gusenbauer taucht offenbar in der Anklage gegen Donald Trumps Wahlkampfleiter Paul Manafort rund um dessen Russlandkontakte auf. Damit steht der streitbare Altkanzler wieder einmal unter Druck. Und damit auch die SPÖ. Denn dem roten Parteichef Christian Kern wird eine enge Verbindung zu Gusenbauer nachgesagt, der ihm auch den umstrittenen Berater Tal Silberstein vermittelt haben soll. Die Partei will sich zu den jüngsten Berichten nicht näher äußern.

Gusenbauer soll im Auftrag Manaforts gemeinsam mit Ex-EU-Politikern für den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch in den USA verdeckt lobbyiert haben. Gusenbauer bestritt dies bereits vehement. Sein Interesse habe 2012 und 2013 lediglich darin bestanden, dass die Ukraine näher an Europa herangeführt werde, so Gusenbauer.

Neu ist es nicht, dass Gusenbauer aufgrund seiner Geschäfte in der öffentlichen Wahrnehmung in Ungnade fällt. In den vergangenen Monaten erreichte die Kritik allerdings eine neue Dimension. Neben seinen in der SPÖ durchaus als kritisch beäugten Deals, etwa die Beratungen des kasachischen Diktators Nursultan Nasarbajew, tauchten im Wahlsommer enge Verbindungen zum zwischenzeitlich verhafteten SPÖ-Skandalberater Tal Silberstein und dessen Geschäften auf. Auch fiel der Name des Ex-Kanzlers im Zusammenhang mit den "Paradise Papers", die Steuervermeidungsmodelle im großen Stil offenlegten.

"Ständiges Störfeuer" für SPÖ

Allesamt ist das kein Ruhmesblatt für die ohnehin schon geschundene wie orientierungslose Sozialdemokratie hierzulande, die sich seit jeher als Partei des "kleinen Mannes" versteht. Dubiose Deals und Netzwerke einer ehemaligen Parteispitze trüben dieses Bild.

Der Politikexperte Peter Filzmaier sieht darin zumindest ein "ständiges Störfeuer" für die SPÖ. Solche Meldungen haben Platz in den Medien, wodurch die Aufmerksamkeit für Themen wegfällt, die die Partei setzen möchte. Die SPÖ selbst gibt sich gelassen, was die jüngsten Berichte über Gusenbauer angeht. Der Bundesgeschäftsführer der Sozialdemokraten, Max Lercher, sagt dazu: "Alfred Gusenbauer hat keine Funktion mehr in der SPÖ Bundespartei. Zu seinen privaten Geschäften muss man ihn selbst befragen." Das sagte auch Parteichef Christian Kern fast wortgleich. Ansonsten werde sich die Partei dazu nicht äußern, auch wird sich niemand von den Roten offiziell distanzieren, heißt es aus der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße.

Seine letzte offizielle Funktion in der Partei verlor Gusenbauer erst kürzlich. Nach der verlorenen Nationalratswahl zog die SPÖ einen Schlussstrich. Gusenbauer musste seine Funktion als Präsident des Renner-Instituts, der roten Parteiakademie, aufgeben. Diese hat nun Parteichef Kern inne. Dagegen hatte sich Gusenbauer noch im Sommer vor der Wahl gewehrt, als die Silberstein-Affäre und die gemeinsamen Geschäfte mit dem israelischen Wahlkampfberater aufkamen. Er sah auch keinen Grund, sich aus der Partei zurückziehen. Zudem soll Gusenbauer den umstrittenen Berater Silberstein an Kern vermittelt haben, dessen Methoden den ohnehin verkorksten SPÖ-Wahlkampf um Entgleisten brachten.