Wien. Die gute Wirtschaftslage hat auch im Februar für sinkende Arbeitslosenzahlen gesorgt - und das trotz klirrender Kälte. Inklusive AMS-Schulungsteilnehmern waren Ende Februar 444.426 Personen auf Arbeitssuche, um 6,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Überschattet werden die guten Zahlen von der geplanten Kürzung des AMS-Budgets um 600 Millionen Euro. Die Kritik daran hielt auch am Donnerstag an.

Vertreter von Opposition, Arbeiterkammer und Gewerkschaft zeigten sich weiter bestürzt über die "massiven Einschnitte" beim Budget für das Arbeitsmarktservice. Auch AMS-Chef Johannes Kopf hielte einen "Kahlschlag" bei den Mitteln für das Integrationsjahr für falsch, sagte er im "Ö1"-Mittagsjournal des ORF-Radio.

Eine soziale, wie ökonomische Frage

Es sei nicht nur eine soziale Frage, sondern auch eine ökonomische, diese Leute zu integrieren. Sie blieben sonst weiter im Sozialsystem in der Mindestsicherung, sagte Kopf. Geplant ist eine Halbierung der Mittel für das Integrationsjahr von 100 auf 50 Millionen Euro. "Wo wir wirklich sparen werden, wird man sehen, wenn der Verwaltungsrat Ende März über das neue Förderbudget entscheidet", so Kopf.

Der kalte Februar hat sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht, zumindest in der Baubranche. Während die Bauarbeitslosigkeit Ende Jänner um mehr als 11.000 Personen bzw. 14 Prozent sank, betrug der Rückgang Ende Februar nur 2.039 bzw. rund 3 Prozent. Von allen Branchen war dies der geringste Rückgang.

Das bekamen insbesondere Ausländer zu spüren, die häufig am Bau arbeiten. Denn während die Zahl der Arbeitslosen bei Inländern im Jahresvergleich um 9,3 Prozent zurückging, verringerte sie sich bei Ausländern nur um 0,4 Prozent.

Benachteiligter waren einmal mehr auch ältere Personen, wenngleich sich die Arbeitslosenzahl um 4,3 Prozent verringerte. AMS-Chef Kopf sieht den geringeren Rückgang bei Älteren auch dem demografischen Umstand geschuldet, dass Österreich älter wird. Umgekehrt wirke sich genau das bei Jugendlichen positiv aus, wo der Rückgang mit 7,6 Prozent besonders hoch war. Doch auch bei Personen im Haupterwerbsalter zwischen 25 und 49 Jahren sank die Zahl der Arbeitslosen um 7,3 Prozent.

Von der Erholung am Arbeitsmarkt profitierten Männer (-6,9 Prozent) etwas mehr als Frauen (-6,1 Prozent). Im Bundesländervergleich zeigt sich ein Ost-West-Gefälle: Während sich die Zahl der Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnehmern in Tirol um 12,3 Prozent verringerte, war der Rückgang in Wien mit 3,2 Prozent am geringsten.

Im EU-Vergleich rutscht Österreich jedoch immer weiter ab. Mit 5,5 Prozent verzeichnete Österreich im Jänner nur mehr die elftniedrigste Arbeitslosenrate, im Dezember war Österreich noch auf Platz neun gelegen. Nach nationaler Definition sank die Arbeitslosenquote im Februar um 1,0 Prozentpunkte auf 9,0 Prozent.

Nach Branchen betrachtet kam es im Februar überall zu rückläufigen Arbeitslosenzahlen, wenngleich mit unterschiedlichen Ausprägungen. Am höchsten war dieser im Bereich "Herstellung von Waren" (-14,8 Prozent), in der Gastronomie (-11,2 Prozent), im Handel (-11,1 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (-10,5 Prozent), am geringsten am Bau (-3,1 Prozent) sowie im Bereich Verkehr (-7,7 Prozent).

An der Entwicklung der offenen Stellen zeige sich, dass der Aufwärtstrend in der österreichischen Wirtschaft anhalte, so Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) am Donnerstag laut einer Aussendung. Die Zahl der gemeldeten, sofort verfügbaren offenen Arbeitsplätze lag Ende Februar mit 62.867 um 27 Prozent über dem Vorjahreswert.

Am Lehrstellenmarkt gibt es nach wie vor mehr Lehrstellensuchende (5.047) als sofort verfügbare offene Stellen (4.947). Ein Überhang an freien Lehrplätzen besteht in Tirol und Salzburg, hier vor allem durch die Nachfrage in Tourismusberufen, aber auch in Oberösterreich. Deutlich mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen gibt es in Wien.

"Ein Blick auf die Detailzahlen bestätigt, dass vor allem Personen mit geringer formaler Ausbildung - über alle Alterskategorien hinweg - auch in Zukunft Schwierigkeiten haben werden, am primären Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen", so Ministerin Hartinger-Klein. Zwar haben sich die Arbeitslosenzahlen bei Personen mit Lehrausbildung (-9,4 Prozent auf 140.410 ) bzw. maximal Pflichtschulausbildung (-6,2 Prozent auf 206.735) stark reduziert, in absoluten Zahlen sind hier aber deutlich mehr Menschen arbeitslos als bei Personen mit akademischer Ausbildung (-0,2 Prozent auf 29.425).