Wien. Es ist eine hastig einberufene Pressekonferenz Ende Februar. Der Vorsitzende der Burschenschaft "Bruna Sudetia", Herwig Götschober, spricht in abgehackten Sätzen und greift häufig auf seinen Zettel zurück, um sie zu beenden. Nach dem folgenreichen Skandal um antisemitische Liederzeilen der Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt" ist wieder ein NS-Liederbuch aufgetaucht, das laut der Stadtzeitung "Falter" im Besitz von Götschobers Verbindung gewesen sein soll. Wenige Stunden zuvor hatten Einsatzkräfte der Wiener Staatsanwaltschaft die Bude der "Bruna Sudetia" untersucht und mehrere Kisten mit unbekanntem Material beschlagnahmt. Was mitgenommen wurde, wisse er nicht, sagt Götschober sichtlich aufgeregt. Er werde aber die Verantwortung dafür tragen.

Brisant ist die Causa deswegen, weil der Burschenschafter Götschober als Pressereferent und Social-Media-Beauftragter im Büro von Infrastrukturminister Norbert Hofer arbeitet, der sich in der Causa vehement vor seinen Schützling stellt. Götschober selbst lässt sich aber noch am Abend nach der Hausdurchsuchung von seiner Tätigkeit als Pressereferent des Kabinetts Hofer beurlauben - bis die Vorwürfe "restlos aufgeklärt" sind.

Das ist drei Wochen her und so ernst dürften Götschober und Hofers Ressort das dann doch nicht gemeint haben. Denn der Burschenschafter hat seine Arbeit als Pressereferent inzwischen wieder aufgenommen, obwohl das Verfahren laut Staatsanwaltschaft noch anhängig und keinesfalls "restlos aufgeklärt" ist.

"Herr Götschober ist gerade in einem Termin"

Götschober ist in der vergangenen als auch in dieser Woche im Infrastrukturministerium gesehen worden. Das bestätigen mehrere Mitarbeiter aus Hofers Ministerium unabhängig voneinander. Er hätte Götschober unlängst in den Gängen bemerkt, erzählt ein hochrangiger Beamter. Ein anderer reagiert mit der lapidaren Aussage: "Ja, der Herwig ist wieder da." Wie lange Götschober seit der Causa NS-Liederbuch wieder im Kabinett Hofer tätig ist, können sie aber nicht beantworten.

Ein Anruf in Götschobers Abteilung. Auch die Assistentin im Pressebüro bestätigt Götschobers Anwesenheit im Ministerium. "Der Herr Götschober ist jetzt momentan gerade in einem Termin", so die Assistenz. "Kann ich ihm etwas ausrichten?" Mit welcher Begründung sitzt Götschober wieder an seinem Arbeitsplatz? Er werde sich melden, heißt es dann.

Aber Götschober meldet sich nicht und reagiert nicht auf Anrufe. Auch die Presseassistenz und der Sprecher Hofers, Volker Höferl, schweigen sich bei der weiteren Recherche darüber aus, warum Götschober trotz laufender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wieder Termine für Hofers Ministerium abspult.