Klagenfurt. Die Kärntner SPÖ muss sich am Samstag entscheiden, mit wem sie ernsthafte Koalitionsverhandlungen aufnimmt. Nach den Sondierungen mit FPÖ, ÖVP und Team Kärnten (TK) haben die Funktionäre bei der Vorstandssitzung die Qual der Wahl. Allgemein werden der ÖVP die besten Chancen zugebilligt, eine Einladung von SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser zu erhalten.

Die Schnittmengen mit den Freiheitlichen wären größer

Dabei wären inhaltlich die Schnittmengen mit den Freiheitlichen vermutlich sogar größer, zumindest in jenen Bereichen, die auf Landesebene entschieden werden können. In den Bereichen Agrar und Bildung gibt es kaum Reibungsflächen zwischen Rot und Blau.

Am ehestens sind Differenzen in der Sozialpolitik bei Migranten, Asylwerbern und Mindestsicherungsbeziehern auszumachen, doch auch diese wären wohl überwindbar, zumal FPÖ-Obmann Gernot Darmann innerparteilich zum gemäßigten Flügel gehört. Die Abgrenzung nach rechts, für die SPÖ ein zentraler Punkt, hat Darmann mehrfach glaubwürdig gezogen, allerdings gilt das wohl nicht für alle Parteimitglieder. So ist Klubobmann Christian Leyroutz schlagender Burschenschafter, und auch der Kärntner Nationalratsmandatar Wendelin Mölzer ist Burschenschafter und war bei der rechten Publikation "Zur Zeit" seines Vaters Andreas Chefredakteur. Aus den roten Reihen ist zu hören, dass es gegen die rot-blaue Variante daher viel Widerstand geben würde.

Solche Probleme hat die SPÖ mit der ÖVP nicht. Inhaltlich sind Differenzen vorhanden, die überwindbar scheinen, der Teufel steckt aber im Detail. So will die SPÖ den Bereich der landwirtschaftlichen Fachschulen endlich in den Bildungsbereich integrieren. Seitens der Schwarzen ist dann stets zu hören, landwirtschaftliche Kompetenz müsse bei der Landwirtschaft bleiben. Ebenso Widerstand leisten würde vor allem der Agrarflügel der Partei bei den kolportierten Plänen, die Kontrolle in der Viehzucht aus dem Agrarbereich zu lösen. Saubere Trennung nennen das die Roten, ein Zerreißen von organisch Zusammengehörigem die Schwarzen. Die Tatsache, dass Kontrollore und Kontrollierte via Landwirtschaftskammer und Agrarressort eng miteinander verwoben sind, sorgt außerhalb des Bauernstandes allerdings schon lange für viel Unmut, teilweise auch bei den Veterinären.

Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuung wären ebenfalls Politikfelder, bei denen Friktionen auftreten könnten. Allerdings sind diese Bereiche weitgehend in Bundeszuständigkeit, SPÖ und ÖVP könnten das Thema also unter Hinweis darauf umschiffen. Gratiskindergärten schmecken den Schwarzen ebenfalls nur bedingt, daran werde man aber eine Zusammenarbeit sicher nicht scheitern lassen, wird gemunkelt.

Bleibt das Team Kärnten, das im Wesentlichen von sich behauptet, mit allen regieren zu können. Inhaltlich dürfte es keine großen Brocken geben, die weggeräumt werden müssten. Die Forderungen von TK-Chef Gerhard Köfer, die Parteienförderung zu halbieren und der Politik für ein ganzes Jahrzehnt Nulllohnrunden zu verordnen, hat die SPÖ bereits abgelehnt. Das von Köfer vor der Wahl beanspruchte Finanzressort will er jetzt auch nicht mehr, Straßenbau - den er jetzt betreut - zu behalten, würde ihm schon reichen.