Wien. Der Aufschwung am österreichischen Arbeitsmarkt geht weiter: Im heurigen März gab es mit 3,71 Millionen einen neuen Rekord bei unselbständig Beschäftigten. Das waren um 2,7 Prozent oder 96.000 Personen mehr als im März 2017.

Auch die Arbeitslosigkeit ging im Vergleich zum März des Vorjahres deutlich zurück: Und zwar um 0,9 Prozentpunkte auf eine Arbeitslosenrate von acht Prozent. Mit rund 226.000 arbeitslosen Männern waren um 7,2 Prozent weniger als im Jahr davor arbeitslos. Bei den Frauen waren im März mit insgesamt rund 172.000 sogar um 7,9 Prozent weniger arbeitslos als im Jahr davor.

"Anhand des Rückgangs der Arbeitslosenquote sieht man, dass wir uns auf einem guten Weg befinden", stellte Bundesministerin Beate Hartinger-Klein in einer Aussendung fest. Also alles in Butter am Arbeitsmarkt?

Kleine Kinder sind für Mütter ein Grund, Teilzeit zu arbeiten

Eine Studie von Forba für die Arbeiterkammer Wien zeigt, dass die Quote an Erwerbstätigen in Österreich von 2005 bis 2015 zugenommen hat - und zwar bei Frauen um sechs, bei den Männern um 1,4 Prozentpunkte.

Sobald es sich bei den Erwerbstätigen um Eltern handelt, sieht die Lage anders aus. Zwar ist das Alleinverdiener-Modell zurückgegangen: 2005 waren noch 40 Prozent der Mütter mit dreijährigen Kindern nicht erwerbstätig, 2015 nur mehr ein Viertel. Frauen stehen dem Arbeitsmarkt mit Kindern aber nach wie vor deutlich weniger zur Verfügung als Väter: Studienautorin Bettina Stadler spricht vom "Vollzeitverdiener und einer Teilzeitverdienerin" als typischem Modell von Eltern: Das "Eineinhalb-Verdiener-Modell ist heute neuer Standard".

Wegen der besseren Ausbildung oder der Kinderbetreuung sind zwar mehr Mütter erwerbstätig, das aber in Teilzeit. 30 Prozent der Mütter mit Kleinkindern arbeiten heute bis zu 15 Stunden in der Woche. Weitere 35 Prozent arbeiten zwischen 15 und 30 Stunden und nur elf Prozent arbeiten 36 Stunden und mehr, wenn ihre Kinder drei Jahre alt sind. Zwar steigt der Anteil der in Vollzeit arbeitenden Mütter, wenn die Kinder älter werden.

Allerdings gehen auch bei den Müttern, deren jüngstes Kind 16 Jahre alt ist, nur rund 20 Prozent einer Erwerbsarbeit von 36 Stunden und mehr nach.

Väter arbeiten
(etwas) weniger als früher


Deutlich anders gestalten Väter ihr Arbeitsleben. Zwar gehen überlange Arbeitszeiten zurück, konkret verbringen heute "nur" mehr 17 Prozent der Väter dreijähriger Kinder 46 und mehr Stunden pro Woche an ihrem Arbeitsplatz. Familienarbeit ist aber nach wie vor Frauensache: Lediglich 26 Prozent der Paare mit Kindern bis 15 Jahren hatten eine ausgewogene Verteilung der Arbeitszeit. Bei kinderlosen Paaren waren es 49 Prozent. Es sind immer noch nur 22 Prozent der Väter mit dreijährigen Kindern, die 2015 in Teilzeit weniger als 30 Stunden pro Woche einer Erwerbsarbeit nachgingen. Zehn Jahre davor waren es 17 Prozent.

Dabei würden teilzeitbeschäftigte Frauen mit Kindern unter 15 Jahren gerne mehr arbeiten. Vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer dagegen weniger. "Könnten diese Wünsche realisiert werden, wäre die Arbeitszeit von Paaren deutlich ausgewogener", sagt Stadler. Für Ingrid Moritz, Leiterin der Frauenabteilung der Arbeiterkammer Wien, wäre das "ein Beitrag zur Verringerung der Einkommensschere": "Das Eineinhalb-Verdiener-Modell ist nicht zukunftsweisend, Frauen brauchen eine eigenständige Existenzsicherung."

Deshalb fordert Moritz den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung mit ganztägigen Öffnungszeiten, eine Ausweitung des Rechts auf Elternteilzeit und einen Rechtsanspruch auf den Papa-Monat. Auch eine Entwicklung in Richtung "gesunde Vollzeit" mit einer Arbeitszeitverkürzung führe zu ausgewogeneren Arbeitszeiten von Eltern.