Klagenfurt. (rei) Die Freude bei der SPÖ währte nicht lange. Vor genau einer Woche gaben die Kärntner SPÖ mit Wahlsieger und Landeshauptmann Peter Kaiser sowie die ÖVP den erfolgreichen Abschluss ihrer Koalitionsverhandlungen bekannt. Der ersten, rot-schwarzen Koalitionsregierung nach dem Ende des Proporzsystems stand nichts mehr im Wege.

Eine Woche später ist alles anders. Am Mittwochmorgen verlas Christian Benger, Chef der Kärntner ÖVP, seine Rücktrittserklärung. Er stehe "in Zukunft weder als Landesrat noch als Landesparteiobmann zur Verfügung". Es sei eine "persönliche Entscheidung", betonte Benger. Sein Landtagsmandat werde er trotz Rücktritts von der Parteispitze annehmen. Der ausverhandelte Koalitionspakt aber sei durch seinen Rücktritt nicht gefährdet. "Ich kann dem Koalitionspartner eine stabile Volkspartei übergeben, die das Land gestalten will", die zudem "pakttreu in diese neue Regierung geht".

"Nicht der einfachste Weg"

"Personelle Kontinuität – also dass diejenigen Personen, mit denen wir verhandeln, auch in der Folge der Regierung angehören – war für uns während den Verhandlungen oberste Prämisse", sagt Daniel Fellner, Landesgeschäftsführer der Kärntner SPÖ. Das habe man auch "am Beginn jeder einzelnen Verhandlungsrunde" klargestellt. Alle 13 ÖVP-Verhandler hätten daraufhin bekräftigt: Christian Benger sei Chef der ÖVP, werde es auch bleiben und die nächsten fünf Jahre der Landesregierung angehören.

"Das war für uns auch ein Hauptgrund, es mit der ÖVP zu machen. Der einfachste Weg war das ja nicht", spielt Fellner auf die doch erheblichen inhaltlichen Differenzen zwischen SPÖ und ÖVP an, Stichwort Krankenhäuser und Einsparungen im Bereich Soziales. Demonstrativ und im Wissen, dass es den Roten inhaltlich mit der FPÖ leichter von der Hand gehen würde, hatte FPÖ-Chef Gernot Darmann während des Wahlkampfs und auch am Wahlabend des 3. März zur Schau gestellt, wie gut er mit Landeshauptmann Kaiser kann. Dieser hatte die Sympathiebekundungen geschickt erwidert – um dann nach kurzen Gesprächen mit der FPÖ doch mit der ÖVP in Verhandlungen zu treten.

Dass Benger innerhalb der ÖVP angeschlagen sei, war von den Kärntner Genossen schon direkt nach der Wahl zu hören, Anfang März aber hatte man aber eher einen raschen Wechsel an der ÖVP-Spitze erwartet. Warum also gerade jetzt, wo die Koalition steht? "Ein Name: Sebastian Kurz", sagt Daniel Fellner, der sich dazu nicht weiter äußern möchte und auf die Parteigremien verweist. Eines sei jedenfalls klar: "Jetzt steht wieder alles auf null."