Dieses "Drama" erfolge primär zulasten der Geringverdiener: "Die sind faktisch von der Wohnungsversorgung ausgeschlossen. Die müssen weit aufs Land hinaus ziehen, jenseits des Speckgürtels." Auch die Mietpreisbremse schaffe es in den meisten Städten nicht, Wohnungen zur Leistbarkeit zu bringen. Denn auch 6,50 Euro je Quadratmeter Nettokaltmiete seien nicht für alle günstig, manche könnten sich nicht einmal 4 Euro leisten. Die Versorgungslücke an leistbaren Wohnungen für ganz Deutschland bezifferte der Experte bei dem Symposium des Verein für Wohnbauförderung (vwbf) mit fast 2 Millionen, bei 40,6 Mio. Wohnungen im ganzen Land.

Der Brite Derek Long, Direktor beim Berater Arc4 und Vorstand einer Wohnbauvereinigung, skizzierte die aus seiner Sicht verfehlte Politik der Konservativen seit der Ära Margaret Thatcher. Schon seit dem Jahr 1980 werde in Großbritannien im Neubau das Ziel von 250.000 neuen Einheiten pro Jahr nicht erreicht, und die Wohnungspreise würden rascher als die Einkommen steigen - schloss sich der Experte seinen Vorrednern aus Deutschland und Österreich an. Die Conservative Party forciere Wohnungseigentum, "das hat aber in den letzten Jahren in keiner europäischen Volkswirtschaft funktioniert. Damit wird nur der Immobilienmarkt angeheizt."

Heute sei jeder zweihundertste Brite ohne permanenten Wohnsitz - auch eine Folge der Politik, die Sozialwohnungen zurückzudrängen. Zweifellos werde den Großteil des Neubaus immer der Markt leisten müssen. "Aber die Ärmsten der Armen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden", sagte der Brite. Labour-Chef Jeremy Corbyn wolle einen ganz klaren Fokus auf den Neubau legen und 100.000 leistbare Wohnungen zusätzlich errichten; auch wolle er ein "Revival" der Sozialmieten und ein "Rebranding" des Sozialwohnungsbaus. "Das könnte aber nur eine Labour-Regierung ändern." Freilich habe Corbyn bisher drei wichtige Parlamentswahlen verloren.