Die Sache mit dem Honig

Mit ihrer neuen Risikobewertung aktualisierte die Efsa die Ergebnisse von 2013, nach deren Veröffentlichung die Europäische Kommission die Verwendung der besagten Substanzen kontrollieren ließ. Teilbeschränkungen waren die Folge. So dürfen die drei Neonicotinoide seitdem nicht mehr während der Blütezeit und in blühenden Kulturen wie Mais, Raps, Sonnenblume, Sommergetreide und Kürbis verwendet werden, weil hier Bienen als Bestäuber unterwegs sind. Die Menge der ausgebrachten Neonicotinoide sank laut dem Bundesamt für Ernährungssicherheit von 22 Tonnen 2013 auf 14,9 Tonnen 2016 ab.

Für Wintergetreide, Karotten, Zwiebel, Zuckerrüben sowie den Obst- und Weinbau sind die Pflanzenschutzmittel im Moment noch zugelassen. Sie können in Spritzmittel gemischt werden, werden aber hauptsächlich zur Beizung des Saatguts verwendet, damit dieses widerstandsfähiger gegen Insekten wird. Mit dem Saftstrom gelangt der Wirkstoff in Folge auch in die wachsenden Pflanzenteile wie Blüten.

Wie Österreich am 24. Mai über die weitere Zulassung von Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin im Freiland abstimmen wird, ist allerdings nach wie vor uneindeutig. "Das beharrliche Schweigen von Elisabeth Köstinger nährt Befürchtungen und Gerüchte, wonach Österreich versuchen will, das geplante EU-weite Neonicotinoide-Verbot durch Ausnahmen - insbesondere für den Anbau von Zuckerrüben - auszuhöhlen", sagt Helmut Burtscher von der Umweltschutzorganisation Global 2000. Seit Mitte Februar hätten mehr als 50.000 Österreicher in einer Petition an die Landwirtschafts- und Umweltministerin (ÖVP) appelliert, sich unmissverständlich gegen jede Verwässerung des Neonicotinoide-Verbots und für den Schutz der Bienen auszusprechen. Großbritannien, Frankreich und Deutschland seien jedenfalls klar für ein Totalverbot im Freiland, Länder wie Polen oder Spanien, die laut Burtscher nicht "zur Speerspitze der Ökobewegung" gehörten, hätten ihre Haltung weniger deutlich deklariert.

Ob Köstinger dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen wird und in welchem Ausmaß Interessengruppen im Ministerium für eine Aufweichung der Verbote lobbyiert haben könnten, ist auch Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage der Grünen vom 21. März. Eine Antwort wird für Mitte Mai erwartet.

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium, dass eine Ausnahme für Rübenbauern derzeit nicht zur Diskussion stehe. Die Efsa-Schlussfolgerungen würden in einem Expertengremium auf EU-Ebene diskutiert, die fachlich-wissenschaftliche Bewertung in Österreich erfolge durch die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (Ages). Das Expertenteam der Ages werde sich "für eine EU-weit einheitliche Vorgehensweise unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und im Sinne eines bestmöglichen Schutzes für Bienen einsetzen", so das Ministerium.

Schützt man die Bienen durch ein Totalverbot für Neonicotinoide im Freiland, wäre jedoch die Zuckerrübe bedroht, sagt Markus Schöberl, Geschäftsführer der "Rübenbauern", der Dachorganisation der 7500 Landwirte, die in Österreich Zuckerrüben anbauen. Denn: Eine gleichwertige Alternative zu den Neonicotinoiden gibt es nicht. "Es wäre fahrlässig, sie zu verbieten."