Aktuell sei es so, dass das Saatkorn der Zuckerrübe mit einer Masse ummantelt werde, in die eine geringe Menge Neonicotinoide eingearbeitet sei. Auf einen Hektar Rübenfeld mit rund 100.000 Körnern kämen etwa 60 Gramm. "Dadurch kann man mit wenig Aufwand und gezielt Pflanzenschutz betreiben", so Schöberl. Vor etwa 26 Jahren, als man diese Methode entdeckte, sei das ein Quantensprung gewesen.

"War Quantensprung beim Pflanzenschutz"

Die Zuckerrübe sei dadurch vor Schädlingen über der Erde wie dem Rüsselkäfer, dem Erdfloh oder der Blattlaus geschützt, aber auch vor Drahtwürmern und Moosknopfkäfern, die sich unterirdisch nähern. Vor besagtem Quantensprung hatte man Pflanzenschutzmittel flächendeckend eingesetzt, und zwar in Form eines Granulats, das man in das gesamte Feld einarbeitete.

Zu dieser Methode müsste man laut Schöberl nach einem Neonicotinoide-Totalverbot wieder zurückkehren. Man könnte die Pflanzenschutzmittel auch verspritzen, und sieben bis acht Mal im Jahr Flächenspritzungen durchführen. "Das ist ökologisch gesehen Schwachsinn", so Schöberl. Und teurer.

"In unseren Kalkulationen würden wir auf 350 Euro Mehrkosten pro Hektar kommen, was fünf Euro Mehrkosten pro Tonne Zuckerrübe entspricht." Bei der seit dem Auslaufen der Quotenregelung im Herbst 2017 ohnehin schon schwierigen Marktsituation wäre das laut Schöberl untragbar. Davor war die Zuckerindustrie der EU vor Wettbewerb geschützt, nun sei der Rübenpreis auf 27 bis 30 Euro pro Tonne gesunken - bei Produktionskosten von 32 bis 39 Euro pro Tonne. "Wir zahlen also schon jetzt etwas dazu. Wenn noch fünf Euro Mehrkosten dazukommen, können wir nicht mehr anbauen", sagt Schöberl.

Die Existenz der Landwirte selbst sei nicht bedroht, weil sie laut Schöberl nur alle vier bis fünf Jahre Zuckerrüben anbauen und dazwischen Getreide, Gemüse oder Mais. Auch Zucker werde es immer geben, sogar zum selben Preis: "Dann produziert eben Brasilien", sagt Schöberl. Der Importanteil von aktuell fünf Prozent würde dadurch freilich deutlich steigen. Und: "Beim Zucker aus Brasilien fragt keiner nach, welche Pflanzenschutzmittel sie verwenden." Auch ein Gentechnik-Verbot gibt es dort nicht.

Die "Rübenbauern" sowie der Nahrungsmittel-Konzern "Agrana", der die Rüben verarbeitet, hoffen daher auf eine Ausnahmeregelung des Neonicotinoide-Totalverbots für die Zuckerrübe. Da sie erst im zweiten Jahr blühen würde, davor das Feld aber schon für die nächste Frucht umgeackert wird, sei sie für Bienen unattraktiv. Da allerdings Rückstände der Neonicotinoide im Boden verbleiben können, könnte man sich zum Beispiel als Kompromiss darauf einigen, als nächste Pflanze in der Fruchtfolge eine ebenfalls nicht blühende anzubauen, sagt Schöberl. "Das machen 90 bis 95 Prozent der Betriebe ohnehin schon."

Die Industriegruppe Pflanzenschutz, die freilich auch gegen ein Totalverbot von Neonicotinoiden eintritt, untermauert diese Haltung mit der Studie Noleppa & Hahn (2013) des Humboldt Forum for Food and Agriculture in Berlin. Ohne Neonicotinoide würden die Ertragsausfälle demnach um 10 bis 20 Prozent zunehmen. Bei der Zuckerrübe wäre mit Gewinneinbußen von 40 Prozent zu rechnen, "womit die Zuckerrübe unwirtschaftlich ist", heißt es.