Hier erfreut sich eine Honigbiene an einem  Sonnenhut (Echinacea). - © Sputniktilt - CC 3.0
Hier erfreut sich eine Honigbiene an einem  Sonnenhut (Echinacea). - © Sputniktilt - CC 3.0

Köstingers Vorvorgänger Nikolaus Berlakovich (ÖVP), der von 2008 bis 2013 Landwirtschaftsminister und für seine Solidarität mit den Bauern bekannt war, ist die Biene allerdings einst zum Verhängnis geworden: Österreich stimmte 2013 in Brüssel gegen ein Verbot für Neonicotinoide. Es sei nicht eindeutig belegt, dass diese schädlich seien, so Berlakovich damals, zudem wolle er bäuerliche Existenzen schützen. 15 EU-Länder stimmten jedoch für ein Verbot und nur acht dagegen. Besagte Teilverbote waren die Folge - und, dass Berlakovich auf dem Vertrauensranking der Markt- und Meinungsforschung OGM auf minus 15 Prozent rutschte. In Internet-Foren wurde der Minister zum "Bienenkiller" und "Chemical-Niki".

Sein Nachfolger Andrä Rupprechter (ÖVP, von 2013 bis 2017 Landwirtschaftsminister) startete 2014 das Projekt "Zukunft Biene", um die Ursachen des Bienensterbens zu klären. Bereits unter Berlakovich hatte es von 2009 bis 20011 ein ähnliches Projekt mit der Ages gegeben, "Melissa", darauf folgte ein Bienenschutzmonitoring von 2012 bis 2013. Rupprechter ging jedoch weiter und schloss einen "Pakt für die Biene": Dieser sah vor, bis zum Ende seines Mandats die Anzahl der Bienenvölker auf 400.000 zu erhöhen.

Teilverbote von
2013 zeigen Wirkung

Dieses Ziel hat man zwar nicht erreicht, die Anzahl der Bienvölker steigt aber laut Christian Boigenzahn, Geschäftsführer von "Biene Österreich", aktuell wieder sanft an. Die Teilverbote von 2013 zeigten Wirkung. Dem 2. Zwischenbericht von "Zukunft Biene" zufolge sanken die positiven Vergiftungsverdachtsfälle von Bienen von 93 Prozent 2009 auf nur noch 18 Prozent 2015. Von der Anzahl der Bienenvölker in den 90er Jahren ist man aber noch weit entfernt.

Jene der Imker hat sich im Vergleich dazu stärker erhöht, das ist laut Boigenzahn aber vor allem darauf zurückzuführen, dass es zuletzt einen regelrechten Hype um die Imkerei und somit zahlreiche Neueinsteiger gab. Der Großteil von diesen habe jedoch nur "ein paar Stöcke im Garten". Die durchschnittliche Völkerzahl eines Imkers liege heute bei 12,8 Völkern, 1990 waren es 14,8 Völker. Nur etwa 350 Imker in Österreich könnten von der Imkerei leben, ergänzt Johann Gruscher, Präsident des Imkerbundes. Mit ein Grund dafür: Ertragsausfälle seien nicht versichert.

Diese könne man sowohl im Sommer durch die aufgenommenen Pflanzenschutzmittel, aber auch im Winter verzeichnen: Bereits in den 1970ern zog mit der Varroa-Milbe mit dem sprechenden lateinischen Namen Varroa destructor der Hauptparasit der Biene in Europa ein, in den 80ern erreichte diese Österreich. Seitdem sind Österreichs Imker mit zum Teil dramatischen Winterverlusten konfrontiert. Im Vorjahr zum Beispiel lag der Winterverlust laut Boigenzahn bei 30 Prozent.

Dass gerade in der kalten Jahreszeit die Bienen massenweise sterben, liegt daran, dass die Imker die Größe ihrer Völker für diese Zeit reduzieren, um weniger füttern zu müssen. Statt wie im Sommer bis zu 60.000 Arbeitsbienen scharen sich im Winter nur 10.000 um die Königin. Die Relation Parasit zu Biene verschiebt sich zugunsten des Parasiten. Wer nicht fit ist, stirbt. Aufgrund der Pflanzenschutzmittel werden die Bienen krankheitsanfälliger. Der Kreis schließt sich.