Am 26. und 28. November 2016 versuchte der Bub, die Bombe auf dem deutschen Weihnachtsmarkt hochgehen zu lassen. Nur aufgrund eines technischen Fehlers explodierte sie nicht. Der 14-Jährige kann strafrechtlich nicht belangt werden, da er zum Tatzeitpunkt nicht strafmündig war. Er lebt in einer Sozialeinrichtung und wird - auch von einem Psychotherapeuten - betreut.

Der 14-Jährige sei keiner, "der nach der Schule Ponyreiten geht", meinte der Staatsanwalt. Klar sei aber auch, dass K. den Buben - entweder als Bestimmungs- oder Beitragstäter - angestiftet habe. "In den Chatprotokollen schreiben die beiden unverblümt, was Sache ist", sagte der Ankläger. So soll K. das Anschlagsziel vorgegeben haben. Das Kind schlug eine Kirche als Ziel vor. "‚Bei euch muss es doch auch Weihnachtsmärkte geben. Viel mehr Menschen dort‘", so K. zu dem Buben.

"Er war ein fröhliches Kind"

Emotional wurde es bei den Aussagen der Eltern des 19-Jährigen. "Er war ein fröhliches Kind, beinahe ein Kasperl", sagte die Mutter. Auf die albanischen Wurzeln der Familie und Religion hätte man bei der Erziehung keinen Wert gelegt. In der Schule habe ihr Sohn aber Probleme gehabt, auch sei er in den falschen Freundeskreis geraten.

Mit 15 wurde K. erstmals gerichtlich verurteilt und landete im Gefängnis. Dort kam er über Zellengenossen in Kontakt mit dem Islam. Nach der Haftentlassung verlor K. seine Lehrstelle, da das Unternehmen von seinen Vorstrafen erfuhr. Zu Hause radikalisierte er sich immer mehr. Die Eltern - die Mutter arbeitet als Krankenschwester, der Vater als Sozialbetreuer - bekamen davon nichts mit. "Es tut mir wahnsinnig leid", bemerkte die Mutter dazu.

Befragt wurde auch das Mädchen, das K. nach islamischen Recht geheiratet hat. Gegen die nun 17-Jährige läuft in Düsseldorf ein Verfahren wegen staatsfeindlicher Verbindungen. K. habe sie online kennengelernt: "Er konnte gut islamisch argumentieren. Da habe ich angefangen, falsche Sachen zu glauben", gab die junge Frau an. Sie habe zum IS gefunden und gelernt, "dass andere Religionen nicht akzeptiert werden sollen". K. sei vom IS "von Anfang an fest überzeugt" gewesen.

"Dann kam das Thema auf, einen gemeinsamen Anschlag zu planen. Ich war dazu nicht bereit, weil ich nicht so früh sterben wollte." Sie habe nachgegeben, aber gehofft, dass nichts passieren werde. K. hätte "einen Platz, wo sehr viele Menschen sind" als Ziel im Sinn gehabt. "Ich wusste, dass er eine Bombe baut."

Verhaftung in Wien

K. reiste nach Deutschland, am 1. Dezember traf er das Mädchen erstmals persönlich, er heiratete sie unter Beiziehung eines Imams. Nach einem zweiten Treffen am 3. Dezember 2016 erfuhr ihr Vater von der Beziehung. Weitere Treffen wurden ihr verboten, der Vater schaltete die Polizei ein.

Die deutschen Beamten vernahmen K. und fanden auf seinem Handy auch ein Foto von einer Bombe, die der Angeklagte mit einem anderen Deutschen erfolgreich getestet hatte. Er wurde aber auf freien Fuß gesetzt. K. reiste nach Wien zurück. Angeblich soll er überlegt haben, Anschläge in Österreich zu verüben. Aufgrund eines Hinweises aus Deutschland wurde er im Jänner 2017 in Wien festgenommen.