Denn bei der Tiroler Landtagswahl kamen die Grünen in Innsbruck auf 19 Prozent. Das ist nicht viel mehr als das nunmehrige Ergebnis in Salzburg-Stadt. Der Zuwachs bei der Gemeinderatswahl dürfte auf Spitzenkandidat Georg Willi zurückzuführen sein, der mit Platz eins in der Bürgermeisterwahl in Innsbruck offenbar gut angekommen ist. Und Innsbruck ist zwar kleiner als Salzburg, aber ohne Zweifel eine Stadt. Und hätten etwa bei der Nationalratswahl nur Städte gewählt, würden die Grünen nach wie vor im Nationalrat sitzen.

Hajek: Landbevölkerung wird nicht erreicht

Die Salzburger Landtagswahl hat das strategische Problem der Grünen nur wieder deutlich aufgezeigt. "Sie haben es seit Anbeginn ihrer politischen Karriere nicht geschafft, den Sprung aus der Stadt hinaus zu schaffen, weil sie schlicht und einfach die Landbevölkerung nicht erreichen", sagte Politikberater Peter Hajek einmal zur "Wiener Zeitung".

Mit jeweils deutlich über zehn Prozent auch in den Gebirgsgauen hatten es die Salzburger Grünen bei der Landtagswahl 2013 mit der Spezialsituation Finanzskandal eigentlich schon in den ländlichen Raum geschafft, nun gab es die Rückkehr zur bundesweiten Normalsituation.

Salzburger wählten Grüne 2013 als Kontrollpartei

Vielleicht waren die vergangenen fünf Jahre in Salzburg aber einfach nur ein großes Missverständnis. Die Salzburger hatten Rössler als beharrliche und strenge Vorsitzende im Untersuchungsausschuss zum Finanzskandal kennengelernt - und die Grünen als Kontrollpartei gewählt. Was sie bekamen, war dann aber eine freundliche Grün-Politikerin, die für gute Luft und neue Raumordnung kämpfte und dafür auch unangenehme Maßnahmen umsetzte. "Ich bin schon ein bissl für grüne Politik", sagte ein potenzieller Wähler zu Rössler bei einem Wahlkampfauftritt im Pongau. Aber mit ihrer Widmungspolitik verhindere sie Arbeitsplätze, warnte der Pensionist.

Vielleicht lieferte Parteikollege Willi den Salzburger Grünen die Analyse schon vor dem Wahltag. "So hart das klingen mag, aber die Frage, ob ich mir das Dach überm Kopf leisten kann, beschäftigt die Leute ganz einfach mehr als die Frage nach dem Binnen-I oder der Ehe für alle", sagte Willi wenige Tage vor der Wahl. Das Zitat ließe sich wohl um die Themen Raumordnung und Luftgüte erweitern. Willi sorgte mit seinem Sager für Aufregung in grünen Kreisen, die Wahl gewann er trotzdem.