Bleiberg. Es kommt relativ selten vor, dass eine einzelne Veranstaltung in der Präambel eines Regierungsprogramms Erwähnung findet. Und doch sah sich Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zu Beginn seiner zweiten Amtszeit dazu veranlasst, auf das Gedenken der Kroaten auf dem Loibacher Feld einzugehen. Bezugnehmend auf die Gedenkfeier in Bleiburg/Pliberk erteilte die SPÖ-ÖVP Koalition "politischen Extremisten eine klare Absage".

Heuer soll die Feier am 12. Mai stattfinden, doch bereits jetzt scheint sich das allgemeine Unbehagen zu einem veritablen Sturm zu entwickeln. Schon im Vorjahr forderten 21 Organisationen ein Verbot des Gedenkens, da es "zum größten Neonazi-Treffen in Europa" geworden sei. Seit einigen Wochen formiert sich Protest, dessen Wortführer der Landeshauptmann persönlich ist. Der nahm noch einmal deutlich zu der Causa Stellung: "Es kann und darf nicht sein, dass dort Jahr für Jahr kroatische und andere Rechtsextreme und Faschisten ihre völlig inakzeptable, abstoßende und verbotene ideologische Einstellung mehr oder weniger offen zur Schau tragen."

Massen-Exekutionen

Scharfe Worte gegen eine Veranstaltung, die immerhin von der katholischen Kirche Kroatiens mit dem in Klagenfurt registrierten Verein "Bleiburger Ehrenzug" veranstaltet wird. Offizieller Anlass der Feier, an der immer wieder auch hochrangige kroatische Politiker teilnehmen, ist die Ermordung tausender kroatischer Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation Nazideutschlands 1945. Es war eines der letzten Massaker des Zweiten Weltkrieges, das in Kroatien bis heute für emotionale Debatten sorgt. Die Soldaten des faschistischen Ustascha-Regimes flüchteten mit Zivilisten vor den jugoslawischen Partisanen nach Österreich, um sich den britischen Truppen zu ergeben. Diese schickten sie jedoch zurück, woraufhin es zu Massen-Exekutionen durch die Partisanen kam. Die meisten Massengräber befinden sich auf dem Gebiet des heutigen Sloweniens.

Die Debatte um Bleiburg spaltet seit Jahrzehnten die kroatische Gesellschaft, denn die Suche nach der historischen Wahrheit über die Ereignisse von 1945 ist für einige nicht abgeschlossen. Bei den Gedenkmessen auf dem Loibacher Feld werden immer wieder faschistische und nationalsozialistische Symbole gesichtet, Neonazis zeigen den Hitlergruß, rufen lauthals faschistische Parolen oder singen einschlägige Lieder.

Was auch Konsequenzen hat: Am kommenden Donnerstag steht etwa ein Kroate vor dem Klagenfurter Landesgericht, dem nationalsozialistische Wiederbetätigung vorgeworfen wird. Er soll 2017 die Hand zum Hitlergruß erhoben haben und in einem Interview gesagt haben, dass "wir 25 Jahre gebraucht haben, um einzusehen, dass Hitler ein kluger Mann war, der einfach Ordnung schaffen wollte".