Optimistisch und kämpferisch sieht Kaske die Zukunft der Arbeiterkammer. - © apa/Herbert Neubauer
Optimistisch und kämpferisch sieht Kaske die Zukunft der Arbeiterkammer. - © apa/Herbert Neubauer

Wien. Fünf Jahre an der Spitze der Arbeiterkammer (AK), nach einem Leben in der Gewerkschaftsbewegung. Rudolf Kaske, einst gefeierter Jungfunktionär, der nicht wenige Erfolge zuwege brachte, übergab am vergangenen Freitag das Amt des AK-Präsidenten an seine Nachfolgerin. Mit Renate Anderl steht nun erstmals seit Lore Hostasch wieder eine Frau an der Spitze der AK.

Mit der "Wiener Zeitung" hat Rudolf Kaske in seinem Abschieds-Interview über die Herausforderungen für die Arbeitnehmervertreter und die Regierungsvorhaben in punkto Sozialpartner gesprochen.

"Wiener Zeitung": Herr Präsident, ist die Sozialpartnerschaft in Gefahr?

Rudolf Kaske: Nein. Oftmals wird medial hier ein unstimmiges Bild gezeichnet: Sozialpartnerschaft funktioniert 365 Tage im Jahr. Sie ist gleichzeitig Konflikt und Dialog, in den meisten Fällen steht der Dialog im Zentrum. Sie funktioniert auf der Betriebsebene, über Vereinbarungen, sie funktioniert auf Branchenebene. In Österreich haben wir durch die Sozialpartnerschaft 98 Prozent Kollektivvertragsabdeckung. Wir sind Europameister und werden beneidet.

Gleichzeitig stelle ich klar: Die Sozialpartner sind keine Nebenregierung, sondern vor allem Ideengeber - und auch Krisenfeuerwehr. 2008 waren wir es, die die Kurzarbeit auf den Weg gebracht haben. Andere Länder haben die Leute entlassen, bei uns wird das im Sinne der Allgemeinheit gelöst. Das war für Österreich auch ein wirtschaftlicher Erfolg.

Wieso sind Sie sich so sicher, dass das so bleiben wird?

Das, was die Regierung plant, wird nicht so geräuschlos ablaufen, wie die Regierung sich das vorstellt. Ob das die geplante Verstaatlichung im AMS ist, das Herausdrängen der Sozialpartner aus den Sozialversicherungen - das werden wir uns genau ansehen.

Zweitens: Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung machen gemeinsam 4,3 Millionen Wähler aus. Zwei Drittel der Wählerschaft in Österreich sind also von etwaigen Maßnahmen betroffen. Nach der Wahl ist vor der Wahl - jede Regierung ist also gut beraten, zu überlegen, ob sie ihre Maßnahmen für oder gegen die Arbeitnehmer und die Wirtschaft richtet. Wir haben natürlich den Bundes- und den Vizekanzler sowie die Sozialministerin zu uns eingeladen. So wie es aussieht, wird es diesen Besuch in den kommenden zwei Monaten geben. Wir werden die Regierungsspitze überzeugen, dass sie von einer Reduktion der AK-Umlage Abstand nimmt.

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir haben bereits unsere Mitglieder befragt, und die sind der Souverän und entscheiden auch über die Kammer - und sonst niemand. Zwischen 60 und 80 Prozent haben sich zur Kammerumlage bekannt.