Innsbruck. Es weht ein Hauch von Lagerwahlkampf durch Innsbruck. Vor der Bürgermeister-Stichwahl in Tirols Landeshauptstadt werden Erinnerungen an die Bundespräsidentenwahl 2016 wach, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Anders als 2016 liegt mit Georg Willi diesmal nach dem ersten Durchgang mit 30,9 Prozent ein grüner Kandidat vorne. Und anders als 2016 ist nicht der Grüne der Konsenskandidat. Diese Rolle nimmt Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer von der ÖVP-Abspaltung Für Innsbruck ein, die im ersten Durchgang 24,3 Prozent der Stimmen erhielt.

Selbst Willi bezeichnet die Bürgermeisterin als Favoritin in der Stichwahl. Für zahlreiche bürgerliche Wähler wird es mit einem Votum für Oppitz-Plörer darum gehen, einen grünen Bürgermeister zu verhindern. Willi selbst hofft dagegen auf den "Van-der-Bellen-Effekt". Er glaubt, dass die Parteifarbe eine eher geringe Rolle spielen werde. Die Stichwahl sei "viel stärker eine Persönlichkeitswahl", als er gedacht habe, sagte Willi kurz vor der Wahl. Damit setzt er wohl darauf, dass sich die bürgerlichen Wähler von den verklausulierten Wahlempfehlungen nicht beeindrucken lassen.

FPÖ und ÖVP gegen Willi


Denn sowohl FPÖ als auch ÖVP gaben für Oppitz-Plörer zwar keine direkten Wahlempfehlungen ab, machten aber klar, mit einem grünen Bürgermeister überhaupt keine Freude zu haben. Beide Parteien bezeichneten Willi als linken Kandidaten. Das ist insofern interessant, als der ehemalige Landessprecher der Tiroler Grünen seit jeher als bürgerlicher Grüner und Realo gilt. Ohne bürgerliche Stimmen wäre Willi im ersten Wahlgang kaum über 30 Prozent gekommen. Oppitz-Plörer versuchte, ihren verstärkt bürgerlichen Kurs mit Schwerpunkt Sicherheit kurz vor der Wahl mit ihrer liberalen Herkunft zu vereinen. "Wer eine offene Gesellschaft will, muss auf die Einhaltung von Regeln schauen", sagte sie.

Abseits von Lagerzuschreibungen gab es im Wahlkampf auch bei inhaltlichen Fragen klare Verhältnisse. Beim Thema Wohnen möchte Willi mit 8000 neuen Wohnungen den Druck aus dem Wohnungsmarkt nehmen, Oppitz-Plörer lehnt das ab, um den Zuzug nicht weiter zu fördern. In Sachen Verkehr möchte Willi das Innsbrucker Straßenbahnnetz weiter ausbauen, Oppitz-Plörer lehnt auch das ab.

Zwei Innsbrucker


Beide Kandidaten sind gebürtige Innsbrucker. Der 58-jährige Willi ist klassischer Berufspolitiker. Mit 30 kam er in den Innsbrucker Gemeinderat, danach saß er für die Grünen 19 Jahre im Tiroler Landtag. Von 2013 bis 2017 war Willi im Nationalrat, um sich noch vor dem Aus der Grünen im Parlament als Innsbrucker Bürgermeisterkandidat aufstellen zu lassen. Die 50-jährige Oppitz-Plörer ist seit 2000 Politikerin, seit 2010 ist sie Bürgermeisterin. 2012 wurde sie die erste direkt gewählte Bürgermeisterin Innsbrucks.