Innsbruck. Georg Willi hat Geschichte geschrieben: Der 59-Jährige wird der erste grüne Bürgermeister einer Landeshauptstadt. Das Polit-Urgestein, das vor einem Jahr vom Nationalrat in den kommunalen Ring stieg, kam, sah und triumphierte. Und hauchte nicht zuletzt der gesamten grünen Bewegung wieder so notwendiges Leben ein.

Willi erreichte 52,91 Prozent der Stimmen und bugsierte damit die amtierende Stadtchefin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), die auf 47,09 Prozent kam, aus dem Amt. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,74 Prozent.

Es war ein politischer Home-Run - und ein Sieg der Person Georg Willi. Der Innsbrucker wiederholte das, was seinem Landsmann Alexander Van der Bellen auf der großen politischen Bühne gelang. Das Polit-Urgestein vermochte es in zwei Wahlgängen, wie wohl kein anderer grüner Kandidat, über die ureigensten Wählerschichten hinauszuwirken - und weit in "bürgerliche" Kreise vorzudringen.

Linkes "Schreckgespenst" 

Wer glaubte, dass der langjährige Landtagsklubobmann wohl schon im ersten Durchgang am 22. April am obersten Wähler-Plafond angekommen war, der irrte gewaltig. Titelverteidigerin Oppitz-Plörer schaffte es offenbar nicht, Grün-kritische oder Grün-ablehnende Bürger hinter sich zu versammeln. Das linke "Schreckgespenst", es wirkte nicht. Und der von Willi geortete Wunsch nach Veränderung war offenbar wirklich so groß wie von diesem herbeigesehnt. Der geringe Amts- und Sympathiebonus für die Bürgermeisterin taten ihr übriges. Parolen wie eine "Atempause" in Sachen Wohnen und Ausbau des öffentlichen Verkehrs griffen nicht.

Willi gilt als Prototyp eines bürgerlichen Grünen. Der heimatverbundene bürgerliche Realo, der über den grünen Tellerrand hinausblickt - diese Rolle exerzierte der Innsbrucker auch in diesem Wahlkampf in Perfektion. Nun beginnt das Spiel um die Macht - und der baldige grüne Bürgermeister muss alles daran setzen, dass nicht an ihm vorbei eine Mehrheit gebildet bzw. ein Pakt abgeschlossen wird. Wiewohl dies bei einem derartigen Wahlergebnis wohl eher unwahrscheinlich ist.

Bekanntestes Gesicht der Öko-Partei in Tirol 

Willi war über die Jahre - nicht zuletzt ob seiner vom politischen Freund wie Feind attestierten Sachkompetenz - zum bekanntesten Gesicht der Öko-Partei in Tirol avanciert. Jahrelang wurde er deshalb auch als eine Art Verbindungsmann im Hinblick auf eine Koalition mit der ÖVP gesehen. Letztlich erntete die neue Generation um Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Klubobmann Gebi Mair mit der schwarz-grünen Regierungsbildung im Jahr 2013 das, was Willi federführend gesät hatte. Mittlerweile befindet sich das schwarz-grüne Projekt schon in seiner Neuauflage.