Stimmenanteile bei Nationalratswahlen und Landtagswahlen. - © APA
Stimmenanteile bei Nationalratswahlen und Landtagswahlen. - © APA

Wien. NEOS-Chef Matthias Strolz zieht sich von der Spitze der Oppositionspartei zurück. Für Montagmittag luden die NEOS kurzfristig unter dem Titel "Persönliche Erklärung von Matthias Strolz" zu einer Pressekonferenz.

"Heute ist der Tag, an dem ich die schrittweise geordnete Übergabe meiner politischen Arbeit einleite." Mit diesem Worten begann Strolz um Punkt 12 Uhr seine Abschiedsrede. Die nächste Etappe der Partei solle "von einer neuen frischen Führung" übernommen werden.

In der Folge referierte Strolz die kurze Parteigeschichte, die vor sieben Jahren begann. "Wir hatten Kompetenz, wir hatten gute Laune. Kein Mensch hat uns zugetraut, dass wir in der Mehrzahl der Landesparlamente, im EU-Parlament und im österreichischen Nationalrat vertreten sein würden."

Fotostrecke 1 Bilder

"Wir tragen Europa im Herzen"

Mit der erfolgreichen Salzburg-Wahl sei die Aufbauphase abgeschlossen worden. "Alles, was wir ab jetzt machen, machen wir nicht mehr zum ersten Mal." Strolz bekannte sich zur liberalen Demokratie und zu "Freiheit in verantwortlicher Weise."  Und einmal mehr zur EU: "Wir tragen Europa im Herzen."

Er hob den "wertebasierten Politikansatz" seiner Partei hervor, der für gute Impulse gesorgt habe, wie der ehemalige systemische Organisationsentwickler feststellte. Als Beispiele nannte er den NEOS-Vorschlag einer umfassenden "Bildungswende von unten durch Schulautonomie" und das "Flexi-Pensionssystem". Seiner Partei steckte er große Ziele: ""Wir NEOS haben noch vieles vor. Wir wollen bis 2020/2030 eine 20-Prozent-Kraft werden. Wir wollen eine Million Menschen hinter uns versammeln."


Nachfolge wird im Juni festgelegt

"Ich war nie ein Sesselkleber", sagte Strolz: "Die Stimme meines Herzens sagt jetzt, dass es Zeit ist, die Führungsverantwortung geordnet und planvoll zu übergeben." Ende Juni will er nun "das Staffelholz" weiterreichen und den Parteivorsitz abgeben. Bis zum Herbst will Strolz dann auch die Funktion des Klubobmanns zurücklegen und aus dem Nationalrat ausscheiden. Ein Nachfolgerin oder ein Nachfolger sollen im Juni gewählt werden. Als Favoriten werden die Wiener NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der stellvertretende Klubobmann Nikolaus Scherak sowie der Medienmanager und NEOS-Mitbegründer Veit Dengler genannt.

"Ich bin der Pilot meines Lebens", sagte Strolz. Seine persönliche Zukunft ließ er vorläufig offen. Für Mittwoch kündigte er nach dem erweiterten Parteivorstand weitere Informationen an. Er schloss seine schwungvolle persönliche Rede sichtlich bewegt mit einem Dank an seine Familie, seine Mitstreiter, aber auch "dem politischen Mitbewerb".

Erfolgreiche Wahlen

Strolz gründte die NEOS im Oktober 2012. Im Jahr darauf gelang bereits der Sprung in den Nationalrat. Voriges Jahr sind die NEOS zum zweiten Mal ins Parlament eingezogen. Der Rückzug ist auch deshalb überraschend, weil die NEOS heuer in drei von vier Landtagswahlen erfolgreich waren und in Salzburg sogar vor dem Einzug in die Landesregierung stehen.

Freundliche Abschiedsworte von den anderen Parteien

Die politische Konkurrenz zollte dem scheidenden NEOS-Chef Matthias Strolz Anerkennung. "Respekt und alles Gute für die Zukunft. Sie waren ohne Zweifel ein Bereicherung für die österreichische Politik. Der Erfolg der NEOS ist zweifellos in höchstem Maße Ihnen zu verdanken", sagte SPÖ-Chef Christian Kern.

"Mit Matthias Strolz verlieren die NEOS, aber auch die Opposition insgesamt, einen wortgewaltigen Politiker, der zu bewegen wusste," sagte Peter Kolba, Klubobmann der Liste Pilz. "Wir wünschen Matthias Strolz alles Gute auf seinem weiteren Lebensweg."

Der Bundessprecher der Grünen, Werner Kogler, zollt Strolz "aufrichtige Anerkennung": "Matthias Strolz hat mit seinem erfrischenden und konstruktivem Auftreten einen wichtigen Beitrag für Österreichs Politik geleistet." Der Grüne unterstreicht besonders das Engagement des NEOS-Chefs für eine vertiefte und weitreichende Bildungspolitik und seinen Einsatz für Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen.

"Die parlamentarische Zusammenarbeit mit Matthias Strolz war stets von einem offenen Dialog geprägt." Strolz' politische Arbeit sei durch einen Kurs der Entbürokratisierung und der Reformorientierung gekennzeichnet, er habe seine politischen Anliegen mit Authentizität und Leidenschaft verfolgt, sagte ÖVP-Klubobmann August Wöginger.

FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz wünschte Strolz für seine persönliche und berufliche Zukunft alles Gute. "An Leidenschaft wird es bei ihm wohl nicht mangeln."