Wien. "Ich liebe Politik", sagte Neos-Vorsitzender Matthias Strolz am Montag 12 Uhr bei einer Erklärung im Presseclub Concordia, die er kurzfristig einberufen hatte. Und trotz dieser Liebeserklärung verkündete er fast noch im selben Atemzug völlig überraschend seinen Rückzug aus der Politik.

Dahinter muss nichts vermutet werden. Es gab keine Versuche, ihn abzusägen und es gibt auch sonst keinen der üblichen Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen. "Ich folge dem Ruf meines Herzens", sagte Strolz. "Seit Jahresbeginn habe ich zunehmend Klarheit darüber bekommen, dass 2018 das Jahr meiner Amtsübergabe sein wird. So wie mich mein Herz in die Aufgabe einer Parteigründung gerufen hat, so sagt mir die Stimme meines Herzens nun, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die Führungsverantwortung zu übergeben."

So tickt der Parteigründer der Neos. Es ist wichtig für ihn, "bei sich" zu sein. Das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit seiner gesamten Lebenseinstellung. "Ich bin der Pilot meines Lebens." Und Teil seiner Lebensplanung war, zehn Jahre in die Politik zu gehen. "Als Gründungsmitglied habe ich sieben Jahre Aufbauarbeit in den Knochen", deutete Strolz auch die Mühen des Alltags in der Politik an.

"Politik ist ein Produkt geworden, bei dem es darum geht, den Gegner maximal zu beschädigen." Das ist das Bild, das Strolz Anfang 2012, bei einem Gespräch über sein Buch "Warum wir Politikern nicht trauen . . . und was sie tun müssten, damit sich das ändert" (Kremayr & Scheriau, Wien 2011) zeichnete. Das zu ändern - mit diesem Gedanken trug er sich schon seit Jahren. "Es war klar, dass es wichtig ist, dass Österreich eine neue politische Kraft der Mitte bekommt", sagte er am Montag bei seiner Erklärung.

Salzburger Wahl beendete Pionierphase der Neos

Am 27. Oktober 2012 hob Strolz gemeinsam mit dem Manager Veit Dengler die Bewegung "Das Neue Österreich" bei einem Gründungskonvent aus der Taufe. Vor der Nationalratswahl 2013 "haben sämtliche Fachleute gesagt: ‚Das geht nicht ohne fünf Millionen und Prominente‘. Wir hatten kein Geld und keine Promis, aber Entschlossenheit, Kompetenz, Herzblut und gute Laune."

Strolz wollte Politik mit Leidenschaft betreiben, eine Politik mit Nachhaltigkeit. Eine Politik, in der es eben nicht darum geht, den Gegner maximal zu beschädigen. Oft war es für seine Mitstreiter unverständlich, dass der Chef nicht deftiger gegenüber seinen Gegnern wurde.