Setzt man sich genauer mit den Strukturen, den ideologischen Zielen und Hintergründen, den handelnden Personen und vor allem mit den Netzwerken der Identitären auseinander, ergibt sich ein anderes Bild. Der österreichische Verfassungsschutz beobachtet die Identitären seit Jahren und stuft sie als rechtsextrem ein. So modern und jung sich die Identitären zu präsentieren suchen, so alt sind sowohl ihre Ideologie als auch ihre Strategie. Politikwissenschafter und Rechtsextremismusforscher wie Samuel Salzborn oder Volker Weiss ordnen die Identitären als jüngste Ausprägung der sogenannten "Neuen Rechten" ein, jenem Teil des Rechtsextremismus, der sich primär dem außerparlamentarischen Raum widmet.

Transnationales Netzwerk

Maßgeblicher Protagonist dieser Strömung ist der deutsche Verleger Götz Kubitschek, zu dem vor allem IB-Chef Martin Sellner eine enge Verbindung pflegt. Kubitschek sprach als Gastredner auf beiden bisher abgehaltenen "Verteidiger Europas"-Kongressen in Linz und Aistersheim, auch unterhält er enge Verbindungen zu deutschnational-völkischen Burschenschaften wie der "Arminia Czernowitz" in Linz, die wiederum eng mit den Identitären kooperiert. Ebenfalls Teil des Netzwerks, in dem die Identitären als "Aktionisten" eine ganz spezielle, eng definierte Rolle einnehmen, sind das von Kubitschek mitbegründete "Institut für Staatspolitik" (IfS) und das rechte Finanzierungsprojekt "1 Prozent".

Speziell in Graz besteht eine Kooperation zwischen dem IfS, der IB und dem "Freiheitlichen Akademikerverband Steiermark" (FAV). Im November vergangenen Jahres fand bei Graz bereits zum zweiten Mal eine "Herbstakademie" statt. Thema: "Parteienherrschaft". Dort als Gastredner geladen: der steirische FPÖ-Spitzenpolitiker und Dritte Landtagspräsident Gerhard Kurzmann. "Vortrag 6, 09.00 Uhr, Dr. Gerhard Kurzmann: Österreich nach der Wahl", ist nach wie vor auf der IB-Homepage zu lesen.

Kontakte von FPÖ-Politikern

Auch andere FPÖ-Politiker lassen immer wieder die oft beschworene Distanz zu den Identitären vermissen. Der Grazer FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustaccio sprach beim letzten "Verteidiger Europas"-Kongress in Aistersheim vom "religiösen Anbeten der Menschenrechte", das "zu den katastrophalen Zuständen geführt hat, die wir heute in Europa haben". Die steirischen Grünen verlangten am Montag den Rücktritt des FPÖ-Gemeinderats Heinrich Sickl, der in der Grazer Schönaugasse Räumlichkeiten an die Identitären vermietet. Er soll auch als Teilnehmer bei Aktionen und Kundgebungen der IB in Graz dabei gewesen sein.

Die Grazer Staatsanwaltschaft zeigt sich von der Richtigkeit der Anklage überzeugt. Seit 2016 sei auch Verhetzung einer der Tatbestände, die potenziell "vereinigungstauglich", also als Substrat einer kriminellen Vereinigung nach Paragraf 278 gelten können, sagt Sprecher Hansjörg Bacher.