Wien. Kann man es verantworten, afghanische Asylwerber zurück in ihre Heimat zu schicken? Karl Mahringer sagt Ja. Es würden sich "keine Gründe ergeben (sic!) welche die Rückkehr nach Afghanistan von männlichen Einzelpersonen unmöglich machen", schreibt der steirische Geschäftsmann in seinem Afghanistan-Gutachten.

Mahringers Worte haben Gewicht. Richter vertrauen auf seine Expertise. Mahringers Gutachten ist die Grundlage für zahlreiche Abschiebungen. Was er schreibt, hat für viele Flüchtlinge folgenschwere Konsequenzen. Das trockene Dokument verändert Leben.

Seit 2017 wird es in Asylverfahren herangezogen. Bis heute. Und das, obwohl gravierende Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des Schriftstücks bestehen. Gegen Mahringer selbst läuft ein Überprüfungsverfahren. Kritiker werfen ihm vor, ein romantisiertes Bild Afghanistans zu zeichnen. Wieso wird Mahringers Gutachten also noch immer als Beweismittel vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG) verwendet? Beginnen wir von vorne.

Einziger zertifizierter Gutachter für Afghanistan

Der steirische Geschäftsmann Karl Mahringer erstellte 2017 im Auftrag des BVwG ein Gutachten zur Sicherheits- und Versorgungslage in Afghanistan. In Asylverfahren entscheidet das BVwG als zweite Instanz über Beschwerden gegen Asylbescheide. Die Richter greifen dabei oft auf das Gutachten von Karl Mahringer zurück. Fehlt ihnen die Sachkenntnis, bestellen sie einen Sachverständigen. Sie vertrauen auf Richtigkeit und Wahrheitsgehalt des Sachverständigen-Gutachtens. Mahringer ist in Österreich der einzig gerichtlich zertifizierte Gutachter zu Afghanistan.