Nicht bei allen hat das Gutachten einen guten Ruf. Erste Kratzer bekam das Gutachten in einzelnen Medienberichten – auch die "Wiener Zeitung" berichtete im Juni 2017 darüber. Im Februar 2018 platzte dann die Bombe: Der Salzburger Plagiatsjäger Stefan Weber untersuchte im Auftrag der Wiener Deserteurs- und Flüchtlingsberatung das Gutachten. Sein Urteil fiel vernichtend aus: Das Gutachten sei ein "Reisebericht", angereichert mit "Fakten und Zahlen unklarer Herkunft". Es sei "komplett untauglich" als Entscheidungshilfe.

Dramatische Sicherheitslage

Flüchtlingshelfer, NGO’s und Asylanwälte protestieren gegen das Gutachten. Mahringers Beschreibung von der Sicherheitslage in Afghanistan halten sie zahlreiche Berichte von internationalen Organisationen entgegen, die vor der dramatischen Sicherheitslage im Bürgerkriegsland warnen. Laut Aurvasi Patel, Vizechefin des UNHCR in Afghanistan, gab es im vergangenen Jahr mehr als 3400 Tote und über 7000 Verletzte. Aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage arbeitet das UN-Flüchtlingshilfswerk gerade an neuen Richtlinien zum Schutzbedarf afghanischer Asylwerber. Ungeachtet dessen verweisen Richter in Asylverfahren häufig auf das Gutachten. Das Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), eine Online-Datenbank der Justiz, spuckt den Namen Karl Mahringer in mehr als 270 Fällen aus.

Vergangenes Jahr wurden 117 Afghanen abgeschoben. "Mahringer hat sehr wohl einen wesentlichen Beitrag geleistet, wenn es um Abschiebungen geht", sagt Lukas Gahleitner von der Flüchtlings- und Deserteursberatung.

Kommission prüft Gutachter

Aufgrund der Vorwürfe und einer parlamentarischen Anfrage der Neos leitete die Präsidentin des Landesgerichts für Zivilrechtssachen in Wien – dort ist Mahringer als Sachverständiger gelistet – ein Überprüfungsverfahren ein. Derzeitiger Stand: "Herr Mahringer hat Stellung genommen zu den Vorwürfen", sagt Beatrix Engelmann, Sprecherin des Landesgerichtes. Nun liegt der Fall beim Hauptverband der Sachverständigen. Ein Richter bildet dort zusammen mit zwei Fachprüfern eine Kommission. Diese soll entscheiden, ob Mahringer noch die Voraussetzungen eines gerichtlich zertifizierten Sachverständigen erfüllt. Außerordentliche Überprüfungsverfahren kommen immer wieder vor, sagt Engelmann, sie seien aber "mit Sicherheit nicht die Regel". Regulär werden Sachverständige nach fünf Jahren wieder überprüft. Mahringer wäre also theoretisch bis 2021 in der Sachverständigenliste.