Mahringer selbst will sich auf Anfrage zum laufenden Verfahren nicht äußern. Er baut laut eigenen Aussagen derzeit eine Firma in Afghanistan auf, die sich auf Fact-Finding in Krisenländern spezialisieren soll. Fakten also, die in seinem Gutachten vermisst werden.

Ein schnelles Verfahrensende ist nicht in Aussicht. "Es ist nicht so ganz einfach, weil es keine anderen zertifizierten Sachverständigen für das betroffene Land gibt", sagt Alexander Schmidt, Vizepräsident des Handelsgerichts Wien und Syndikus des Hauptverbandes der Sachverständigen. Mahringers Monopolstellung stellt nun also ein Problem dar.

Gutachten kommt trotzdem zur Anwendung

Karl Mahringer wurde 2016 in die Liste der gerichtlich zertifizierten Sachverständigen aufgenommen. Damals gab es laut Engelmann ein "nicht öffentliches Zertifizierungsverfahren". Wer in dieser Kommission saß und entschieden hat, dass Mahringer das Zeug zum Gutachter hat, bleibt unter Verschluss. Grundsätzlich erforderlich sind Fachkunde, einschlägige Berufserfahrung, Kenntnisse des Rechtswesens und der Gutachtenmethodik. Hierzu schreibt Plagiatsgutachter Weber: "Gutachter M. beweist nicht ‚die Kenntnis des aktuellen Forschungsstands und der angemessenen Methoden‘."

Trotz der massiven Kritik an der wissenschaftlichen Herangehensweise wird das Gutachten weiterhin als Grundlage für Asylentscheidungen herangezogen. "Aufgrund dieser Angaben auf der Homepage des Bundesministeriums für Justiz besteht kein Zweifel daran, dass Mahringer die notwendigen bzw. angegebenen Qualifikationen hat und daher für das Verfassen des GA Mahringer befähigt ist", heißt es in einem Erkenntnis des BVwG vom 27. März 2018. "Es besteht kein Grund, an den Angaben und Schlussfolgerungen im GA Mahringer zu zweifeln" steht in einem anderen vom 26. März. Und weiter: "...aufgrund der Expertise des Sachverständigen und den durchgeführten umfangreichen Befragungen und Erhebungen vor Ort als glaubwürdig erachtet wird."

Warum vertrauen Richter immer noch auf das angepatzte Gutachten? Das BVwG verweist in einem Statement auf die unabhängige Rechtsprechung. "Ob und in welcher Form dieses konkrete Gutachten in den einzelnen Verfahren zum Einsatz kommt, entscheidet der/die Richter/in im konkreten Verfahren." Außerdem würden sich Erkenntnisse am BVwG "fast immer auf eine Vielzahl von Quellen" stützen.