Situation "beschönigt"

Bis die Kommission überprüft hat, ob Karl Mahringer gerichtlich zertifizierter Gutachter bleibt, werden noch einige Wochen vergehen. Für den deutschen Afghanistan-Experten Thomas Ruttig steht jedoch jetzt bereits fest: "Jemand Einzelner ist nicht in der Lage, die gesamte Situation in Afghanistan darzustellen." Ruttig beschäftigt sich seit 35 Jahren mit dem Land. Er hat für die Vereinten Nationen gearbeitet und war stellvertretender EU-Sondergesandter für Afghanistan. Die Landessprachen Dari und Pashto spricht er fließend. Er spart nicht mit Kritik am Mahringer-Gutachten: "Die Schlussfolgerungen, die er zieht, sind nicht mit den Realitäten vereinbar." Er hält es für problematisch, dass jemand Gutachten schreibt, der die Situation "beschönigt".

Mahringer schreibt etwa, dass der Familienzusammenhalt noch sehr stark sei und es daher immer Unterstützung für Rückkehrer gäbe. Ruttig widerspricht dem vehement. "Das ist eine Fehlinterpretation. Da seit 40 Jahren Krieg herrscht, ist nicht mehr viel Wille da, um sich um entfernte Verwandte zu kümmern." Ruttig findet noch zahlreiche andere Beispiele, bei denen sich die Einschätzung von Mahringer nicht mit der Realität in Afghanistan deckt. Sein Resümee: "Ich glaube, der Mann lebt dort in einer Blase. Er sieht die Wirklichkeit in Afghanistan überhaupt nicht."