Wien. In Zeiten der Digitalisierung werden zunehmend Unkenrufe laut, dass zahllose Arbeitsplätze verschwinden. Für Un- und Angelernte sind die beruflichen Perspektiven besonders trist. In der betrieblichen Praxis zeigt sich darüber hinaus aber auch, dass ehemals gefragte Qualifikationen heute rasch wieder überholt sind. Weiterbildung findet zum Teil nur während der Arbeitslosigkeit statt oder kommt nur den ohnehin gut ausgebildeten jungen Beschäftigten zu Gute. Die "Wiener Zeitung" hat deshalb AMS-Vorstand Johannes Kopf gefragt, wie ein Aus- und Weiterbildungssystem heute aussehen müsste.

"Wiener Zeitung": Mit der Digitalisierung findet die Jobvermittlung im Internet statt. Müssen Sie und Ihre AMS-Mitarbeiter sich bald nach einem neuen Job umsehen?

Johannes Kopf: Das glaube ich nicht. Zum einen sind wir selbst der Anbieter der größten Online-Jobbörse in Österreich, und unsere Dienstleistung ist eine ganz wesentliche. Nicht jeder Arbeitssuchende sucht regelmäßig und kann das in jener Güte, die nötig ist, um einen Job zu finden. Gleichzeitig hat Österreich eine kleinteilige Unternehmensstruktur, was dazu führt, dass Firmen bei ihrer Suche nicht so geübt sind. Auch da helfen wir.

Aber der Job-Futuromat der deutschen Bundesagentur für Arbeit sagt, dass mehr als die Hälfte der Tätigkeiten von Arbeitsvermittlern durch Roboter ersetzbar sind.

Auch das nicht, weil wir nicht nur Arbeitsvermittlung machen. Wir haben auch sehr viel zu tun in der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitsmarktförderung, zum Beispiel in der Auswahl der richtigen Qualifizierung. Aber ganz sicher kann man auch Teile unserer Arbeit digitalisieren. Ich sehe die Digitalisierung in unserem Bereich aber nicht als Gefahr, sondern als Problemlöser. Zum Beispiel kommunizieren wir bereits mit mehr als einem Drittel unserer Kunden über ihr Online-AMS-Konto.

Braucht Arbeitsvermittlung nicht den persönlichen Kontakt?

Ohne digitale Möglichkeiten hätten wir zu wenig Zeit für Kunden. Denn einen Punkt dürfen wir nicht vergessen: Menschen sind öfter arbeitslos. Der Arbeitsmarkt dynamisiert sich, wir haben heute viel kürzere Dienstverhältnisse als früher. Unsere Eltern haben bei einem Unternehmen gelernt und sind dort in Pension gegangen. Jetzt wechseln Menschen mehrmals in ihrem Leben ihren Job. Wir haben also, selbst wenn die Arbeitslosigkeit sinkt, in der Tendenz mehr Kunden oder öfter Kontakte mit ihnen.

Zurück zu den plakativen Prognosen, dass ihr Job bedroht ist. Lässt man hiermit die Leute nicht mit ihren Ängsten alleine?