Die dritte Dimension ist keine oder eine sehr niedrige Erwerbsintensität. Wenn Personen weniger als 20 Prozent der möglichen Arbeitszeit im Jahr arbeiten, zählen sie zu dieser Gruppe. In Österreich waren es im vergangenen Jahr 545.000 Personen.

Insgesamt 117.000 Menschen sind in allen drei Dimensionen betroffen. Sie sind "vielfach von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Familienbeihilfen abhängig", heißt es seitens der Statistik Austria.

Mindestsicherung macht keine 60 Prozent aus

Die monatliche Schwelle für Armutsgefährdung lag 2017 bei 1238 Euro für Alleinlebende. Pro weiterem Erwachsenen werden 618 Euro dazugezählt, pro Kind 371 Euro. Die Mindestsicherung reichte weder bisher, noch in Zukunft an diese Schwelle heran: Die Regierung plant maximal 863,04 Euro für Einzelpersonen, für einen weiteren Erwachsenen 647,28 Euro. Für das erste Kind gibt es 215,76 Euro, für ein zweites 129,45 Euro, für ein drittes und alle weiteren 43,15 Euro.

30 Prozent der Haushalte mit mehr als drei Kindern sind laut Statistik Austria besonders armutsgefährdet. Bei den Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft aus Nicht-EU-Ländern sind es 50 Prozent und bei Ein-Eltern-Haushalten 47 Prozent. Bei den Langzeitarbeitslosen fallen sogar 80 Prozent in diese Gruppe.

Für die Alleinerziehenden, von denen 59.050 im Jahr 2016 Mindestsicherung bezogen, plant die Regierung Abfederungen: bis zu 100 Euro für das erste Kind, fürs zweite 75 Euro, das dritte 50 und ab dem vierten 25 Euro. Für Ausländer aber sind zusätzliche Beschränkungen vorgesehen: 300 der 863,04 Euro erhalten diese nur mit Sprachkenntnissen oder österreichischem Pflichtschulabschluss. Zwar ist im Ministerratsvortrag auch von der Wiedereingliederung in das Erwerbsleben als Ziel die Rede, also auch Langzeitarbeitslosen, von konkreten Maßnahmen für diese aber nicht.

Im Wohlstandsbericht gibt es zum Thema Arbeit zum Teil gute Werte, etwa für das Arbeitsklima und die Erwerbstätigkeit generell. "Die Unterbeschäftigung von Menschen in prekären Jobs oder von Arbeitslosen ist aber ein Problembereich", sagt Marterbauer. Der AK-Ökonom schließt aus dem Bericht und der aktuellen Wirtschaftslage: "Jetzt wäre es an der Zeit, in Arbeitslose und Unterbeschäftigte zu investieren, auch die Leute in der Mindestsicherung in gute Arbeit zu bringen - solche Bemühungen sehen wir aktuell leider nicht."