Wien. (pech/apa) Ein Kompromiss ist in der Frage der Arbeitszeit schwer zu finden. Während die Befürworter darauf verweisen, dass mit der Möglichkeit zum 12-Stunden-Tag die Flexibilität steigt, warnen die Gegner vor einer zu hohen Arbeitsbelastung. Am Montag hat die Gewerkschaft mit Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit in ganz Österreich begonnen, heute, Dienstag, ist in Linz ein Protest-Sternmarsch.

Die Regierung versicherte unterdessen neuerlich, dass im Arbeitszeitgesetz die Freiwilligkeit verankert werden soll. Damit könnte die 11. und 12. Stunde auch abgelehnt werden. "Der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit zu entscheiden, ob er das machen will oder nicht", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Es sei nun "ganz entscheidend", dass in der Diskussion rund um Arbeitszeitflexibilisierung "alle Beteiligten möglichst sachlich auftreten".

Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) verwies darauf, dass Arbeitnehmer künftig mehr Möglichkeiten erhalten, die Arbeitszeit einzuteilen. "Der 8-Stunden-Tag ist die gesetzlich gesicherte Normalität. Es kommt kein 12-Stunden-Tag. Es kommt eine Flexibilisierung." Es werde niemand gezwungen, viele Arbeitnehmer würden sich über den zusätzlichen zeitlichen Spielraum freuen, so Strache. In seinem früheren Job als Zahntechniker wäre er froh gewesen, Aufträge schneller abarbeiten zu können, um dann mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Die SPÖ verlangt einen Neustart der Debatte und eine neue, mit den Sozialpartnern ausverhandelte Arbeitszeitregelung. Gegen den vorliegenden Entwurf kündigte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher "massiven Widerstand" an. Sollten alle Proteste nichts nützen, stellte SPÖ-Vorsitzender Christian Kern am Wochenende sogar ein Volksbegehren in den Raum.

Fast ein Fünftel der Überstunden unbezahlt

Die Arbeiterkammer hat am Montag eine Überstunden-Umfrage präsentiert, die ihre ablehnende Position zur Arbeitszeitflexibilisierung stützt.

Mehr als zwei Drittel der heimischen Beschäftigten haben im Zeitraum November 2016 bis Februar 2018 Überstunden machen müssen, ergab eine Sora-Umfrage für die AK Oberösterreich unter 7200 Personen. Das ist ungesund, sagt die Arbeiterkammer. Je länger die Menschen arbeiten, desto eher sind sie erschöpft und mit ihrem Leben unzufrieden. 2017 wurde fast ein Fünftel der Überstunden nicht bezahlt.