84 Prozent der Menschen werden in Österreich zu Hause gepflegt. - © WZ-Grafik, Foto: APA, Helmut Fohringer
84 Prozent der Menschen werden in Österreich zu Hause gepflegt. - © WZ-Grafik, Foto: APA, Helmut Fohringer

Wien. Nun macht auch das Hilfswerk Österreich auf die Situation im Pflegesystem aufmerksam: Geschäftsführerin Elisabeth Anselm spricht von einem "relativ großen Sprung in der demografischen Entwicklung in den kommenden vier bis fünf Jahren, keiner linearen Entwicklung". Das Pflegesystem sei schon heute am Limit, der Personalmangel schwebe wie ein Damoklesschwert darüber. "Was wir vermissen, ist eine gesamtheitliche politische Sicht, großes Denken, kein Klein-Klein."

Dennoch gibt es einige "kleine" Forderungen der größten Trägerorganisation mobiler Dienste in Österreich: Da wäre jene nach präventiven Diensten, die ältere Menschen noch in ihrem Zuhause beraten und zum Beispiel mit einer besseren Gestaltung des Wohnumfelds die Pflege ins noch höhere Alter hinausschieben. Da ist die nach einer Tagesbetreuung insbesondere für Demenzerkrankte, die Angehörige entlastet. Und da wäre die Forderung nach einem Coaching für pflegende Angehörige, schließlich leisten diese fast die Hälfte der Pflegearbeit.

Erneute Forderung
einer "echten" Pflegereform


Und da wäre die große Forderung: eine "echte Pflegereform", mit gleichem Versorgungslevel zu gleichen Preisen in allen Bundesländern, mit einer Ausbildungsoffensive und Verankerung des Pflegeberufs im Regelschulsystem, mit einer finanziellen Stärkung der mobilen Pflege, denn: "Hier trifft sich das, was volkswirtschaftlich vernünftig ist, mobile Pflegekräfte und jene, die gepflegt werden, wollen möglichst lange zu Hause leben."

Angesichts ihres Programms habe die Regierung laut Othmar Karas, Präsident des Hilfswerk Österreich und ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, die Bedeutung des Themas erkannt: "Nun muss die Erkenntnis in politisches Handeln überführt werden, und zwar rasch. Wer eine echte Pflegereform auf die lange Bank schiebt, gefährdet die pflegerische Versorgung."

Angesichts der geschilderten Dramatik scheint der runde Tisch oder ein Pflege-Gipfel, der Karas als Start vorschwebt, allerdings kaum das der Dringlichkeit angemessene Mittel der Wahl zu sein. Zumal sich die Beteiligten, weitere gemeinnützige Pflegeanbieter, ÖVP-nahe wie Caritas, Rotes Kreuz oder Diakonie genauso wie SPÖ-nahe wie die Volkshilfe, Arbeitsnehmervertretung des Bereichs, aber auch Wissenschafter genauso wie Politiker aller Couleur über Bundes-, Landes- und Gemeindeebene hinweg, bei der Analyse weitgehend einig sind: Mit dem heutigen System wird der Pflegebedarf mittelfristig weder zu finanzieren noch qualitativ so gut wie heute oder noch besser zu decken sein.