Nicht ganz, die Stichworte hierbei sind laut Gärtner "vorübergehend und kurzfristig." Nach der bisher gültigen Gesetzeslage waren maximal 320 Überstunden im Jahr zulässig; künftig sind es 416 Überstunden - übrigens ohne arbeitsmedizinische Prüfung der Unbedenklichkeit so langer Arbeitszeiten in Betrieben ohne Betriebsrat, was "besonders bedauerlich ist." Lange Arbeitszeiten über einen längeren Zeitraum bringen auch betriebswirtschaftlich Kosten, weil die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt, die Produktivität dagegen sinkt: "Diese Kosten sind aber oft verdeckt."

Aber nicht nur das: Etablieren sich Überstunden als Normalkultur, gewöhnen sich Mitarbeiter an das höhere Einkommensniveau: "Sie verteidigen die Überstunden dann auch bei schlechterer Auftragslage vehement. Dadurch sind schon Betriebe in große Probleme gekommen." Außerdem kommt der Wunsch nach längeren Arbeitszeiten auch von Arbeitgebern vieler Saisonbetriebe. Über mehrere Wochen hinweg mache eine Ausweitung der Arbeitszeit weder betriebswirtschaftlich noch arbeitswissenschaftlich Sinn. Gärtner: "Da ist rasch Schluss mit dem Nutzen für alle, ein 12-Stunden-Tag über längere Zeit hinweg ist die Hölle."

Arbeitszeitverlängerung als "Schuss ins Knie"?

In Branchen, die wegen der Arbeitsbedingungen ohnehin schon ein Fachkräfteproblem hätten, wie zum Beispiel die Gastronomie, "könnte dazu führen, dass sich noch weniger Menschen dort bewerben. Ich glaube, dass eine Arbeitszeitverlängerung in solchen Betrieben ein Schuss ins Knie ist", sagt Gärtner.

Tatsächlich gehören Restaurants, Gaststätten oder Cafés schon heute zu den Top-5 der Wirtschaftsbereiche mit den meisten anfallenden Überstunden. Eine gemeinsame Studie der Universität Wien und der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, kurz Forba, zeigt, dass rund 92.000 Beschäftigte in Gastronomiebetrieben jährlich 7,2 Millionen Überstunden leisten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt hier zwar bei 34,7 Stunden, der Grund dafür ist die ebenfalls häufige Teilzeitarbeit in Gastrobetrieben.

Jörg Flecker, Soziologe an der Universität Wien und für die Studie mitverantwortlich, weist außerdem darauf hin, dass "es einem Wirtschaftsstandort auch schaden kann, wenn man kurzfristig den Interessen einiger Unternehmer folgt". Die Studie zeigt außerdem, dass Mitarbeiter mit heute schon langen Arbeitszeiten kürzer, jene mit durchschnittlich kurzen länger arbeiten wollen: Jene mit einer Zwölf-Stunden-Woche wünschen sich im Durchschnitt fünf Stunden mehr Arbeit, jene die in der Befragung zuletzt auf 58 Stunden kamen aber würden gerne um zwölf Stunden reduzieren. Mit einer Arbeitswoche von 33 Stunden sind die Arbeitnehmer übrigens am zufriedensten.

Gesundheitliche Probleme
und Unfälle mehren sich

Die Verschärfung der Arbeitnehmerschutzgesetze der vergangenen Jahrzehnte haben auch dafür gesorgt, dass "Er is’ bold terrisch von der Hock’n, und er is’ blind für’s Leb’n" nur bei wenigen Beschäftigten zu erwarten ist.

Die Arbeitszeit sollte laut Flecker allerdings auch heute noch in Berufen "mit besonders viel Kundenkontakt und solchen, die physisch und psychisch belasten, kürzer sein." Heute ist das Gegenteil der Fall: Die Forbastudie weist gerade für Krankenhäuser, Polizisten oder am Bau besonders viele Überstunden aus. Und das Gesundheits- und Unfallrisiko bei langen Arbeitstagen hintereinander steigt deutlich. Gärtner rechnet vor, dass die Unfallwahrscheinlichkeit auf das drei bis fünffache ansteigen kann: "Das Unfallrisiko bei der Heimfahrt nach mehreren zwölf Stunden-Nachtschichten hintereinander ist mit jenem einer starken Alkoholisierung vergleichbar."