Arbeitsmedizinier Gerhard Blasche führt außerdem eine Studie an, wonach das Unfallrisiko in der zwölften Arbeitsstunde rund drei Mal so hoch ist, wie in der ersten. Im neuen Gesetz spielten Pausen keine Rolle, dabei könnten diese solche Risiken mindern. "Pausen, also eigentlich kürzere Arbeitszeit, machen Mitarbeiter produktiver", sagt Blasche außerdem. "Man schafft mehr, deshalb macht es auch für Arbeitgeber Sinn, die Arbeit mehr aufzuteilen und nicht weniger Leute an weniger Tagen länger arbeiten zu lassen."

Längere Arbeitszeiten beeinträchtigen Gleichstellung

"Wann er hamkummt, is’ finster, der Tog is’ vurbei - Er hot tan, wos zum tuan is’, weu des muaß so sei - Er red’t nix und huast vü, er wü sei Ruah und sein Tee mit Rum". Tatsächlich stellt Ingrid Mairhuber, die sich bei Forba mit den Arbeitszeiten von Müttern und Vätern auseinandersetzt, fest: "Gute Väter zeichneten sich noch vor einer Generation dadurch aus, dass sie ihre Familien in materieller Hinsicht gut versorgen, im Schnitt also mehr Arbeitsstunden leisten als Männer ohne Kinder."

Heute ist das zwar im Aufbrechen, unbezahlte Arbeit nach der Erwerbsarbeit übernehmen allerdings nach wie vor Frauen, "und zwar zu zwei Drittel", wie Katharina Mader, die sich an der Wirtschaftsuniversität Wien mit dem ökonomischen Nutzen von unbezahlter Arbeit auseinandersetzt, erläutert. Insgesamt werden zehn Milliarden Stunden pro Jahr in Österreich geleistet. "Das ist ein unfassbar wichtiger Beitrag, damit die Gesellschaft funktioniert."

Die Ökonomin geht deshalb davon aus, dass längere Arbeitszeiten das Problem, Arbeit und Familie zu vereinbaren, nochmals verschärfen, bei Paaren Mütter wieder aus dem Erwerbsleben drängen, "viele davon wieder ihre finanzielle Unabhängigkeit verlieren".

Fatal sei längeres Arbeiten aber für jene, die schon heute am extremsten belastet sind - und zwar von berufstätigen Alleinerziehenden. Die Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria zeigt, dass Alleinerziehende nach siebeneinhalb Stunden Erwerbsarbeit nach Hause kommen, dann ist es Nichts mit Ruhe und dem Tee mit Rum. Auf sie warten weitere sieben Stunden Hausarbeit und Kinderbetreuung. "Weu des Leb’n is Orbeit und die bringt eam um" müsste 2018 also "Weu des Leb’n is Orbeit und die bringt sie um" heißen.