"Die Erschöpfung steigt während eines Arbeitstags progredient", erklärte der Experte. Damit steige auch der Bedarf an Erholungszeit. Er hält im Fall der Einführung eines 12-Stunden-Tags eine 30-Stunden-Woche bei vollem Ausgleich für erforderlich.

Zugleich wies Karazman auf ein weiteres Problem hin: Das Absinken der körperlichen Leistungsfähigkeit ab einem Alter von 50 Jahren. Er hält deshalb eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit - und besonders der Nachtarbeitszeit - ab 50 für dringend angeraten. "Acht Stunden Nachtarbeit sind sie anstrengend wie 13 Stunden Tagarbeit, und zwar aufgrund des Absinkens der Körpertemperatur", erklärte der Fachmann. "Älterwerden heißt auch Kälterwerden. Deshalb sind acht Stunden Nachtarbeit mit 50 so anstrengend wie 16 Stunden Tagarbeit."

Auch Erich Pospischil, Internist und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, warnte vor zusätzlichen Belastungen für ältere Arbeitnehmer. Er bezweifelt, dass alle von ihnen Zwölf-Stunden-Schichten bewältigen können. Überhaupt sieht er eine ganze Reihe praktischer Fragen zu wenig diskutiert: Mögliche Folgen der längeren Exposition "klassischer" Belastungen wie Lärm, Schadstoffen, Vibrationen und schwerer Lasten, die zu mehr gesundheitlichen Problemen führen und behandelt werden müssten.

Kanadische Forscher berichteten indes laut Ö1 über andere mögliche medizinische Folgen einer Arbeitszeitverlängerung: Ab 45 Stunden Arbeit pro Woche soll demnach bei Frauen das Diabetesrisiko steigen. "Wir haben gleich viele Frauen wie Männer miteinbezogen und hier ausschließlich jene Personen, die berufstätig sind und mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiteten - inklusive Überstunden", so die Forscher. So sind der Studie nach Frauen, die 45 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten, erheblich stärker gefährdet (plus 63 Prozent), an Diabetes zu erkranken als jene Teilnehmerinnen, die zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche arbeiten. Bei Männern hingegen schien sogar das Gegenteil der Fall zu sein - laut den Daten sank mit den Arbeitsstunden das Diabetesrisiko, wenngleich nur minimal und statistisch nicht signifikant.