Wien. Mittwoch und Donnerstag arbeiten die Nationalratsabgeordneten im Parlamentsplenum, ob zwölf Stunden, wie künftig gesetzlich maximal möglich sind, ist noch fraglich.

Klar ist aber bereits, dass die Regierungsparteien im Parlament am Donnerstag das neue Gesetz beschließen wollen, und auch den Abänderungsantrag dazu. Demnach ist nun zwar die Möglichkeit vorgesehen, Überstunden nach der zehnten Arbeitsstunde am selben Tag abzulehnen, was Vertreter von ÖVP und FPÖ als "Freiwilligkeitsgarantie" bezeichnen, Arbeitnehmervertretern aber weiterhin zu weit geht: "Der Arbeitgeber sitzt gegenüber einzelnen Arbeitnehmer immer am längeren Ast", hieß es etwa dazu von Seiten der Arbeiterkammer.

Klar ist auch, dass Gewerkschaft und Opposition, allen voran die SPÖ, auch weiterhin gegen das Gesetz mobilisieren: So lud zum Beispiel SPÖ-Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner Experten aus dem Gesundheitswesen dazu ein, auf mögliche Folgen längerer Arbeitszeiten hinzuweisen, denn: "Menschen sind keine Maschinen und haben natürliche Leistungsgrenzen."

70 Prozent mehr Unfälle in der zwölften Arbeitsstunde

Wie sich die Arbeitszeit auf die Unfallhäufigkeit auswirkt, destillierte Ximes, ein Unternehmen, das Betriebe bei Arbeitszeitmodellen berät, aus 29 Studien zum Thema. Das Ergebnis: Ab der neunten Stunde nimmt das Unfallrisiko mit jeder Stunde stärker zu. In der zwölften Stunde ist es im Vergleich zur ersten um 70 Prozent höher. "Bei mehr als zwölf Stunden ist von 170-prozentigen Steigerung auszugehen", heißt es in der Analyse des Unternehmens.

"Das Unfallrisiko bei der Heimfahrt nach mehreren Zwölf-Stunden-Nachtschichten hintereinander ist mit jenem einer starken Alkoholisierung vergleichbar", rechnete Ximes-Geschäftsführer Johannes Gärtner in der "Wiener Zeitung" bereits vor. Konkret habe ein Arbeiter, der nach dem vierten Arbeitstag mit einem 12-Stunden-Nachtdienst in der dreizehnten Stunde die Heimfahrt antritt, ein fünfmal so großes Verkehrsunfallrisiko - das gleiche Risiko wie mit einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille.

60-Stunden-Woche verdoppelt das Herzinfarktrisiko Erich Pospischil, Internist und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, warnt vor einer "Fülle von Problemen", die mit einer Ausweitung der Arbeitszeit einhergehen können: Er spricht von erheblichen Belastungen in manchen Berufen, der Muskeln oder durch Schadstoffe. 12-Stunden-Arbeitstage seinen aber auch für das Herz-Kreislauf-System "bedrohlich": "Das Studienmaterial dazu ist erdrückend."