Wien. In Niederösterreich wird über eine Einschränkung des Schächtens diskutiert. Grundsätzlich ist damit das rituelle Schlachten eines Tieres im Judentum gemeit, erklärt Richard Potz, Professor am Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien, gegenüber der APA. Später wurde es dann auch vom Islam übernommen. Schlachtungen ohne vorherige Betäubung sind im Tierschutzgesetz zwar prinzipiell verboten, bei "zwingenden religiösen Geboten oder Verboten einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft" aber erlaubt.

Charakteristisch ist das "Durchtrennen der Halsschlagader des Tieres durch einen fachmännisch ausgeführten schnellen Schächtschnitt ohne vorhergehende Betäubung. Die Tiere bluten dann aus", heißt es im Buch "Muslime in Österreich", das Potz zusammen mit den Wissenschaftern Susanne Heine und Rüdiger Lohlker verfasst hat.

Es darf nur unblutiges Fleisch konsumiert werden. Auch dass keine Betäubung vorgenommen wird, habe einen theologischen Hintergrund, so Potz: "Es gibt in der Religion die Vorstellung, dass ein Tier nicht gegessen werden kann, wenn es nicht völlig okay ist. Sobald man es betäubt, ist es das nicht mehr." Durch die Betäubung werde den Tieren Verletzungen zugefügt, durch die das Fleisch nicht mehr koscher ist.

Verbot verfassungswidrig


Es gebe viele Standpunkte zu dem Thema, erklärt Potz: "Es gibt durchaus auch Leute, die sagen, dass Schächten tierfreundlicher ist als andere Methoden."

Laut einer EU-Richtlinie müssen beim Töten Schmerzen, Stress, Angst oder andere Formen des Leidens bei den Tieren möglichst vermieden werden, das Schlachten ohne vorherige Betäubung ist allerdings aus religiösen Gründen erlaubt. Die Reihenfolge könne also umgedreht werden und die Betäubung erst nach dem Schächtschnitt erfolgen, so Potz.

In Österreich ist Schächten derzeit laut dem Tierschutzgesetz erlaubt - allerdings nur unter bestimmten Auflagen. So muss etwa ein Tierarzt anwesend sein und das Tier sofort nach dem Schnitt betäubt werden. Zudem dürfen die Schlachtungen nur in von der Behörde dafür zugelassenen Schlachtanlagen erfolgen. Prinzipiell ist das Schlachten von Tieren ohne Betäubung aber verboten, nur bei "zwingenden religiösen Geboten oder Verboten einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft" ist es zulässig. Ein strafrechtliches Verbot der rituellen Schlachtung, heißt es im Buch, wäre verfassungswidrig. Auch der Oberste Gerichtshof und der Verfassungsgerichtshof hätten in der Vergangenheit die Meinung vertreten, dass "dem Tierschutz gegenüber dem Recht auf Freiheit der Religionsausübung kein durchschlagendes Gewicht zukomme".