In diesem Sinne wurde der Verein "Gedenkdienst" und auch der Verein "Österreichischer Auslandsdienst" gegründet, und im September 1992 trat der erste österreichische Gedenkdiener seinen Dienst im Museum Auschwitz-Birkenau an, das dem Gedenken an die Opfer des deutschen Konzentrationslagers in Auschwitz gewidmet ist.

Der Gedenkdienst stellt damit seit mehr als 25 Jahren einen aktiven und unverzichtbaren Bestandteil in der österreichischen Gedenk- und Erinnerungskultur dar. Ich habe die geschichtsvermittelnde Arbeit dieser Initiativen sowohl in meiner Zeit als Nationalratspräsident als auch als Bundespräsident nachhaltig zu schätzen gelernt und unterstützt. Die mehr als 800 jungen Frauen und Männer, die seit 1992 in die Welt hinausgegangen sind, um sich dem Gedenken und der Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten und der Aufarbeitung des Holocaust zu widmen, können in gewissem Sinne auch als junge Botschafter des heutigen Österreich gesehen werden. Mit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit repräsentieren sie den Willen der österreichischen Gesellschaft, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und unsere gemeinsame Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die formellen und praktischen Schwierigkeiten, mit denen die beiden Trägerorganisationen - der Verein Gedenkdienst und der Verein Österreichischer Auslandsdienst -, wie sie mir kürzlich berichtet haben, derzeit konfrontiert sind, stehen daher in deutlichem Gegensatz zu den Bemühungen Österreichs, den Willen zur Gedenk- und Erinnerungskultur sichtbar zu machen, zu verstärken und an konkreten Beispielen zu demonstrieren.

Aufgestockte Fördermittel

Kurz vor der vergangenen Nationalratswahl wurde am 12. Oktober 2017 im Nationalrat einstimmig beschlossen, die Fördermittel für den Gedenk-, Friedens- und Sozialdienst im Ausland von 720.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro aufzustocken. Die Erhöhung sollte insbesondere zur Abgeltung von Aufwendungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (wie Reisekosten, Versicherungen, Impfungen etc.) vorgesehen werden. Außerdem sollte die Möglichkeit geschaffen werden, den Trägerorganisationen zusätzliche Mittel für Informations- und Aufklärungsarbeit über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu gewähren. Dies wurde als eindeutiges und unmissverständliches Zeichen für den Erhalt und den qualitativen Ausbau der Gedenk- und Erinnerungsarbeit der beiden Vereine verstanden.

Die momentane Situation gibt jedoch Anlass zur Sorge. Die Anzahl der Einsatzstellen weiter zu erhöhen, wäre zwar sehr begrüßenswert, jedoch darf dies nicht auf dem Rücken der momentanen Gedenkdienstleistenden geschehen. Die Entschädigung, die junge Frauen oder junge Männer erhalten, die sich dafür entscheiden, einen Gedenk-, Friedens- oder Sozialdienst im Ausland zu absolvieren, darf nicht so niedrig sein, dass dies auf eine unausgesprochene, aber wirksame Abschreckung vor dem Gedenkdienst hinausläuft.