Wien. (ett) Sozialpolitische Konflikte um die Möglichkeit für einen Zwölf-Stunden-Tag ab 1. September und die Fusion der Sozialversicherungsanstalten haben derzeit die 24-Stunden-Betreuung durch ausländische Pflegekräfte weit in den Hintergrund gedrängt. Das könnte sich ändern, wenn die Bundesregierung nach einer Verabschiedung nun im Herbst tatsächlich Ernst macht mit den Familienbeihilfen für Kinder im Ausland je nach Kaufkraft. Denn damit drohen auch den ausländischen Pflegekräften, die Menschen in Österreich ganztägig betreuen, Einbußen bei Familienleistungen. Aufschlussreich ist daher eine neue Studie. Denn bisher ist der Wechsel aus einem osteuropäischen Land - vor allem aus der Slowakei - zur 24-Stunden-Betreuung nach Österreich nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens TQS Research & Consulting im Auftrag des Hilfswerks Österreichs vor allem für ausländische Pflegerinnen mit etwas älteren Kindern interessant.

Pflegerinnen bleiben länger

68,3 Prozent, also gut zwei Drittel der Pflegekräfte (861 der beim Hilfswerk Beschäftigten machten 2017/18 mit), haben demnach daheim ein Kind, das 15 Jahre oder älter ist. Hingegen liegt der Anteil mit Kindern untern 15 Jahren bei lediglich 12,8 Prozent. 44 Prozent der Pflegerinnen können den Abschluss einer Reifeprüfung vorweisen. 22 Prozent haben sogar einen Abschluss auf einer Universität gemacht. Der weitaus größte Teil der Betreuerinnen - zumindest beim Hilfswerk - kommt aus dem Nachbarland Slowakei, exakt 66,3 Prozent.

Die 24-Stunden-Betreuung wurde in Österreich Anfang November 2006 legalisiert und damit aus dem Bereich der Schattenwirtschaft herausgeholt. Immerhin gut die Hälfte der Pflegekräfte ist der Beschäftigung in Österreich jahrelang treu geblieben. 52 Prozent waren beim Hilfswerk bereits länger als sechs Jahr tätig. Knapp vier von zehn Betreuerinnen (38 Prozent) wollen bis zu ihrem Pensionsantritt weiter in Österreich Menschen rund um die Uhr daheim betreuen.

550 Euro Förderung im Monat

Im Schnitt waren die Pflegekräfte bereits in drei österreichischen Haushalten tätig. Die Führung der Hilfswerks Österreich mit dem Präsidenten und österreichischen EU-Parlamentarier Othmar Karas sieht allerdings gut zehn Jahre nach der Legalisierung die Bundesregierung und die zuständige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) auch bei der 24-Stunden-Betreuung in den eigenen vier Wänden gefordert. Das betrifft vor allem die staatliche Förderung für diese Form der Pflege. 550 Euro pro Monat gibt es seit der Legalisierung für zwei selbständige Pflegerinnen. Diese Förderung ist seither nicht erhöht worden. Deshalb drängt das Hilfswerk auf eine Erhöhung der Zuzahlung, damit die 24-Stunden-Betreuung leistbar bleibt.

Zweite Hauptforderung sind österreichweite Qualitätsstandards für die 24-Stunden-Betreuung. Gedacht ist an ein Qualitätssiegel. Schließlich haben rund 600 Agenturen das Feld der 24-Stunden-Betreuung als berufliches Betätigungsfeld entdeckt. Rund 62.000 Arbeitskräfte sind als Personenbetreuerinnen bei der Wirtschaftskammer registriert.