Ohne Schneekanonen läuft nichts mehr im Wintertourismus. - © D-Kuru - CC 3.0
Ohne Schneekanonen läuft nichts mehr im Wintertourismus. - © D-Kuru - CC 3.0

Der österreichische Fremdenverkehr liebt Kunstschnee. Allerdings soll er keine künstlichen Anteile haben. Genau das hat aber nun das Tiroler Landesverwaltungsgericht (LVwG) erlaubt.

Unter der Geschäftszahl LVwG-2016/44/0948-15 erlaubt das Gericht unter bestimmten Auflagen die Zugabe des Zusatzstoffes "Snomax" bei der Erzeugung von Kunstschnee. Es unterstützt damit den Standpunkt der Seefelder Bergbahnen, die einen negativen wasserrechtlichen Bescheid bekämpft haben. Das Gericht hob damit einen Bescheid des Landeshauptmanns in seiner Eigenschaft als Wasserrechtsbehörde auf, der negative Auswirkungen auf den Tourismus unterstellte. Das Gericht befand nun, die Behörde "habe jedoch nicht festgestellt, dass das beantragte Vorhaben tatsächlich einen relevanten Einfluss auf den Tourismus habe. Diesbezügliche Ermittlungen seien gänzlich unterblieben."

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erklärte unmittelbar nach dem Urteil, Tirol auch auch in Zukunft auf jeglichen Zusatz bei der Schneeerzeugung verzichten. "Als Tourismusland Nummer eins setzen wir auf hundertprozentige Authentizität. Künstliche Zusatzstoffe passen für mich nicht zu einem glaubwürdigen Tiroler Naturerlebnis." Er will seinen Standpunkt über die Streichung von Förderungen durchsetzen: "Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden."

Auch die Seilbahnwirtschaft sprach sich gegen Zusatzstoffe bei der Beschneiung aus. Die Seefelder Bergbahnen würden laut Seilbahnen-Obmann Franz Hörl (ÖVP) mit deren Einsatz eine rote Linie überschreiten. Hörl forderte ein Machtwort seitens der Landespolitik. "Wenn schon die Gerichte hier keine Sensibilität haben, dann ist die Politik am Zuge", meinte der Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen der Wirtschaftskammer und ÖVP-Wirtschaftsbundchef am Dienstag in einer Aussendung. "Wir werden jedenfalls die schwarzen Schafe namhaft machen und überlegen eine Aufstellung jener Skigebiete zu veröffentlichen, die sich an unser selbst auferlegtes Reinheitsgebot halten."

Die mitregierenden Grünen wollen eine Vereinbarung der Skigebietsbetreiber erreichen. "Wir wollen, dass in Tirol auch weiterhin ausschließlich mit Wasser in Trinkwasserqualität künstlich beschneit wird", meinte Gebi Mair, Klubobmann der Grünen im Landtag. Alle Tiroler Skigebiete sollten sich verpflichten, auf Zusätze bei der Beschneiung zu verzichten.

Die schwarz-grüne Landesregierung selbst habe sich bereits in der vergangenen Regierungsperiode, ebenso wie in der aktuellen politisch gegen die Verwendung von Schneezusätzen festgelegt.