Sechs Personenporträts zum umstrittenen 12-Stunden-Arbeitstag. - © Montage: WZ, Christa Hager / Fotos: Ch. Liebentritt
Sechs Personenporträts zum umstrittenen 12-Stunden-Arbeitstag. - © Montage: WZ, Christa Hager / Fotos: Ch. Liebentritt

Wien. Für die Industrie entspricht es einem Bedürfnis der modernen Wirtschaft, das für alle Vorteile bringt, die Gewerkschaft hält es für einen asozialen Anschlag auf die Arbeitnehmer, die in einem kapitalistisch-feudalen Stil längst vergangener Jahrhunderte ausgebeutet werden.

Das neue Arbeitszeitgesetz, das zwölfstündige Arbeitstage sowie bis zu 60 Wochenstunden erlaubt, tritt mit 1. September in Kraft. Und es erhitzt die politischen Gemüter. Die Novelle sorgte wochenlang für rhetorische Eskalationen im Nationalrat, die Gewerkschaft mobilisierte zigtausende Menschen zu Demonstrationen. Der Versuch der Regierung, den Disput zu kalmieren, in dem sie den ohne Zweifel dehnbaren Begriff der "Freiwilligkeit" ins Gesetz schrieb, scheiterte und provozierte zusätzlich.

Die "Wiener Zeitung" hat mit Menschen gesprochen, die das Gesetz betrifft. Menschen, die schon 12 Stunden und mehr arbeiten oder es durch das Gesetz bald können oder müssen, beschreiben ihren Zugang dazu. Die Porträts wurden nicht nach der Ansicht der Personen ausgewählt, sondern sind zufällig entstanden.

Christian Sambs (36), Maurer

Christian Sambs: "Dann bist du fertig, dann geht nichts mehr." - © Ch. Liebentritt
Christian Sambs: "Dann bist du fertig, dann geht nichts mehr." - © Ch. Liebentritt

"Es ist unmöglich, dass man zwölf Stunden Arbeit über längere Zeit durchhält. Es sagt eh niemand etwas, wenn an der Baustelle noch etwas zu machen ist und man länger bleiben muss. Das darf aber nicht Alltag werden - das befürchte ich aber.

Ich habe auch einmal etliche Überstunden gemacht, bin dann heim ins Burgenland gefahren, habe dort noch gearbeitet. Das macht man zwei, drei Monate so, dann bist du fertig, dann geht nichts mehr.

Bis jetzt hatten wir bei meiner jetzigen Firma keine Extremfälle, dass einer wirklich völlig erledigt war. Wir arbeiten normal 40 Stunden, manchmal ein bisschen mehr. Aber wenn andere Baufirmen zwölf Stunden arbeiten lassen, machen das irgendwann alle. Die Überstunden haben im Bekanntenkreis zu Burnout-Fällen geführt. Mein Vater, der sein Leben lang am Bau gearbeitet hat, ist heute ein Wrack.

Wenn man am Tag normal seine acht, neun Stunden am Bau arbeitet und seine Leistung bringt, dann bist du am Abend jetzt schon todmüde und fällst erledigt ins Bett. Bei fast 40 Grad im Sommer oben am Hausdach, wenn wir Eisen biegen, lässt nach einer Zeit die Konzentration nach - bis irgendwann etwas passiert. Da sagen wir zu den Kollegen eh immer wieder, dass sie Pausen machen und etwas trinken sollen. Aber bei zwölf Stunden helfen auch die Pausen nichts. Ich lade die Politiker ein, bei der Hitze dort oben nur einmal zu stehen. Mehr wie arbeiten können wir nicht, dann machen wir es halt langsamer, damit wir den Tag irgendwie durchbringen. Und was die Freiwilligkeit angeht: Was ist freiwillig? Wenn der Chef zu dir sagt, du arbeitest heute zwölf Stunden und du sagst, dass du nicht kannst, dann sagst du das zweimal, beim dritten Mal heißt’s: Auf Wiedersehen!