Wien. Christian Kern wird die politischen Zelte in Österreich abbrechen und als SPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl nach Brüssel wechseln. Spätestens nach dieser Wahl im Mai 2019 wird er als SPÖ-Bundesparteichef zurücktreten, gab er am Dienstagabend in der Parteizentrale in einer persönlichen Erklärung bekannt.

SPÖ-Chef Christian Kern betonte, dass er die Spitzenkandidatur der österreichischen Sozialdemokraten bei der Europawahl mit aller Konzentration angehen wolle. Daher werde er das Amt des Bundesparteivorsitzenden "spätestens nach der Europawahl abgeben". Der Urnengang findet am 26. Mai 2019 statt.

Kürzest dienender Regierungschef

Gebetsmühlenartig betont Christian Kern seit seiner Niederlage bei der Nationalratswahl, das Kanzleramt zurückerobern zu wollen. Jetzt lässt er es doch bleiben.

Erst vergangene Woche hat sich der langjährige erfolgsverwöhnte Verbund- und ÖBB-Manager von den Parteigremien als einziger Kandidat für den Vorsitz beim kommenden Parteitag designieren lassen - und dieser findet bereits in rund drei Wochen statt. Für die SPÖ bleibt also nicht gerade viel Zeit, personelle Weichen für eine ohnehin schwierige Zukunft zu stellen.

Kaiser übernimmt nicht

Der Kärntner SPÖ-Chef und Landeshauptmann Peter Kaiser wird "sicher nicht" Nachfolger von Christian Kern als SPÖ-Chef. "Ich kandidiere am Bundesparteitag sicher nicht für diese Funktion", sagte Kaiser am Dienstagnachmittag gegenüber der APA. Es sei zudem auch noch gar nicht bestätigt, dass Kern als Parteichef tatsächlich zurücktrete, so Kaiser.

Ambitionen auf die Nachfolge Kerns habe er nicht. "Ich kann ja auch nicht meine Kandidatur beim Landesparteitag im kommenden Frühjahr jetzt wieder zurückziehen", meinte er.

Kurzer Ausflug in die Politik

Kerns Ausflug in die österreichische Politik war letztlich kein langer. Vor 2,5 Jahren als großer Hoffnungsträger der Nach-Faymann-Ära gestartet geriet er schnell in die Mühen großkoalitionären Alltags. So ambitioniert er als sozialdemokratischer Modernisierer mit seinem "Plan A" gestartet war, so schnell musste er einsehen, dass die schon damals aus dem Hintergrund von Sebastian Kurz orchestrierte ÖVP ihm nicht den geringsten Erfolg gönnen wollte. Das Wagnis von Neuwahlen ging Kern nicht ein, möglicherweise ein Fehler. Denn im Jahr darauf hatte er Kurz bei dessen türkiser Kampagne weniger entgegenzusetzen, als er es selbst wohl gedacht hatte.