So musste Kern auf die immer gleichen Fragen nach seiner Zukunft mit den immer gleichen Beteuerungen antworten, als Kanzler zurückkehren zu wollen, ja, sogar zu werden, musste die Oppositionsrolle und das eine oder andere innerparteiliche Scharmützel schönreden.

"Kern ist intelligent, aber er ist kein politischer Stratege", sagt Filzmaier. Das habe sich auch gezeigt, als er im Jänner 2017 die Chance hatte, in Neuwahlen zu gehen, doch Kern hatte die Gelegenheit verstreichen lassen. Es war nicht die einzige Chance.

Im Mai 2016, als Christian Kern Werner Faymann als SPÖ-Chef und Kanzler ablöste, war er die größte Hoffnung der österreichischen Sozialdemokratie seit Jahrzehnten. Das war zumindest den zahlreichen öffentlichen bis nicht-öffentlichen Reaktionen zu vernehmen; ein Aufatmen nach mehr als sieben Jahren mit Faymann an der Spitze, der durch eine Krise nach der anderen zu gehen hatte. Erst war die Finanzkrise, dann die Jahre der Wirtschaftskrise und schließlich die Fluchtkrise 2015/16.

Zögernder Kanzler

Zwar war die anfängliche Euphorie vor allem von medialen Erzählungen sowie von begeisterten Aussagen dauerbefragter Sozialdemokraten getragen. Doch auch in repräsentativen Umfragen bildete sich die Hoffnung in Kern schnell ab. Doch im Sommer 2016 passierte noch etwas: Der Verfassungsgerichtshof hob die Stichwahl der Bundespräsidentenwahl auf. Sollte sich in so einer Situation auch der Nationalrat auflösen? Heinz Fischer dürfte Kern schnell überzeugt haben, es mit der ÖVP weiter zu versuchen.

Es dürfte dem Neo-Politiker aber schnell klar geworden sein, dass das Ende der Koalition nur eine Frage der Zeit und des Stils ist. Zumindest bereitete sich die SPÖ und das Führungsteam um Kern schon bald mit einem Strategen auf den Tag x vor, der dann im Wahlkampf zu ungewollter Prominenz werden sollte: Tal Silberstein. Kern entwickelte mit den Plan A, eine Art Parteiprogramm ohne Partei.

Im Jänner 2017 präsentierte er ihn in Wels auf einer Showbühne. Teile der Partei aber, vor allem die Gewerkschaft, waren über gewisse Inhalte nicht gerade begeistert, zumal sie nicht abgesprochen waren. Auch die ÖVP tobte, weil sie von nichts wusste- zumindest offiziell. Die Silberstein-Affäre offenbarte, dass es indirekt sehr wohl einen Informationsfluss gab.

Kern hatte wieder Aufschwung, doch er wählte nicht. Spätestens mit der ÖVP-Obmannschaft von Sebastian Kurz verlor Kern das Momentum. Der Plan A ist passé, nun setzt er auf Plan B.