Die PRO-GE fordert höhere Überstundenzuschläge als bisher. - © APAweb/Hans Klaus Techt
Die PRO-GE fordert höhere Überstundenzuschläge als bisher. - © APAweb/Hans Klaus Techt

Wien. Die KV-Verhandlungen der Metaller sind am Donnerstag mit einer kräftigen Gehaltsforderung der Gewerkschaften an die Metallindustrie losgegangen. Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) fordern von den Arbeitgebervertreten eine Lohnerhöhung von 5 Prozent sowohl für die Mindestlöhne wie auch die Ist-Löhne bzw. -gehälter oder mindestens 100 Euro mehr.

"Wir wissen das ist eine stolze Forderung, aber diese kommt von stolzen Arbeitnehmern. Wir treten sehr selbstbewusst in die Verhandlungen", sagte PRO-GE-Chef Rainer Wimmer, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) nach der Übergabe der Forderungen an die Arbeitgeberseite in der Wirtschaftskammer. Die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe würde mit einem Lohn-/Gehaltsplus von 5 Prozent nicht gefährdet. Man befinde sich "in der besten wirtschaftlichen Lage seit der Krise, seit zehn Jahren".

KV-Erhöhungen und maßgebliche Inflation seit 2014. - © APAwaeb/APA Grafik
KV-Erhöhungen und maßgebliche Inflation seit 2014. - © APAwaeb/APA Grafik

Die Lohnverhandlungen haben begonnen

Es gehe darum, Maßnahmen der Bundesregierung abzufedern, so Wimmer wegen der neuen Arbeitszeitregeln. "Wir müssen Sorge tragen, dass die Menschen nicht zu Zwölfstundentagen gezwungen werden können. Also treten wir für höhere Überstundenzuschläge als bisher ein. Es ist gerechtfertigt, dass wenn man länger als 10 Stunden arbeite, einen Zuschlag von 100 Prozent bekommt", so Wimmer. Die Forderungen seien gerechtfertigt, betonte auch der Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Karl Dürtscher.

Arbeitgeber können Forderung "nicht nachvollziehen"

Die Arbeitgeberseite hat die Forderung seitens der Arbeitnehmer als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet. "Wir bekennen uns zu einem fairen Abschluss. Aber wir sind der falsche Adressat, wenn die Gewerkschaft mit der Bundesregierung unzufrieden ist", sagte Christian Knill, Obmann und Sprecher des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der WKÖ.

Selbst wollte Knill heute, Donnerstag, auf Nachfrage keine Prozentzahl nennen, in deren Höhe die Löhne und Gehälter für die Metaller steigen könnten. Er sprach davon, dass die Arbeitgeber gerne einen "KV 4.0" verhandeln wollten. Ein solcher könnte auch über mehrere Jahre gehen oder zumindest mehr als zwölf Monate umfassen, solle "fair und transparent", "einfach", "planbar" und nicht zuletzt wegen der Digitalisierung "zukunftsorientiert" sein. Die Planbarkeit für die Unternehmen sei besonders wichtig, so Knill.

Knill will nicht jedes Jahr über Datengrundlage diskutieren

Im Zusammenhang mit der 5-Prozent-Forderung der Gewerkschaften sei auch zu berücksichtigen, dass ein Fünftel der Betriebe in der Metalltechnischen Industrie Verluste schrieben und diese auch zu berücksichtigen seien. Zudem kühle sich die wirtschaftliche Lage ab, der Höhepunkt sei bereits überschritten. Knill betonte auch, dass "der Personalkostenanteil in unserer Branche bei rund 25 Prozent liegt".

Die Arbeitgeber stoßen sich Knill zufolge daran, jedes Jahr über die Daten diskutieren zu müssen, die als Grundlage für die Verhandlungen herangezogen werden. So sei für die Metalltechnische Industrie beispielsweise die gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung (heuer plus 1,4 Prozent, kommendes Jahr plus 1,1 Prozent) wichtig, nicht nur jene der Branche. "Wir versuchen, auf eine seriöse gemeinsame Datenbasis zu kommen und dann einen fairen und vernünftigen Abschluss zu schaffen", sagte Knill vor Journalisten nach der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp in der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden. Die Gewerkschaften sprechen von 2,1 Prozent Inflation, die WKÖ von rund 2 Prozent.

"Auch Unwahrheiten wurden verbreitet"

Zu den geforderten Überstundenzuschlägen von 100 Prozent ab der elften Arbeitsstunde sagte Knill auf Nachfrage, man müsse noch "erörtern, was damit gemeint ist".

Grundsätzlich sei die Ausgangsbasis für die heurigen Verhandlungen "nicht ganz so leicht. Es wurde viel in den Wald gerufen, was uns schon sehr überrascht hat. Auch Unwahrheiten wurden verbreitet. Außerdem ist es eine mutige Aussage der Gewerkschaft, zu sagen, man sehe keine Verantwortung mehr für die Gesamtwirtschaft", kritisierte der Wirtschaftskammer-Vertreter.