Wien. In der SPÖ deuten alle Zeichen darauf, dass Pamela Rendi-Wagner neue Parteichefin und damit Nachfolgerin von Christian Kern wird. Die großen Landesorganisationen haben allesamt Zustimmung signalisiert, die Präsentation könnte bereits am Samstag erfolgen. Was noch fehlt, ist eine offizielle Bestätigung.

Seit die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures am Freitag auch schriftlich abgesagt hat, galt Rendi-Wagner als absolute Favoritin für die Kern-Nachfolge. Zuvor hatten schon Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser und der burgenländische SPÖ-Obmann Hans Peter Doskozil abgewunken.

Breite Zustimmung für die Quereinsteigerin

Die Landesorganisationen signalisieren Zustimmung, die burgenländische SPÖ, die eigentlich als Rendi-Wagner-Skeptikerin galt, hat sich bereits auf die ehemalige Gesundheitsministerin festgelegt. Auch die SPÖ Niederösterreich unterstützt laut Landesparteichef Franz Schnabl einstimmig den Vorschlag, Rendi-Wagner zur Parteivorsitzenden zu designieren. Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser ist ebenfalls mit der Quereinsteigerin einverstanden. Und der Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG), Rainer Wimmer, legte sich nach Absprache mit führenden FSG-Vertretern gegenüber der "Wiener Zeitung" ebenfalls auf Rendi-Wagner fest.

Schließlich schwenkte auch die SPÖ Wien ein, die ursprünglich als Befürworterin von Doris Bures galt. Bürgermeister Michael Ludwig sprach sich klar für Pamela Rendi-Wagner als SPÖ-Bundesparteivorsitzende aus. Man habe sich in einer Präsidiumssitzung auf sie verständigt, hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

Der steirische SPÖ-Chef Michael Schickhofer (SPÖ) hat am Freitag noch einmal seine Aussage vom Mittwoch bekräftigt: "Pam" ist in seinen Augen "eine von mehreren geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen" im Rennen um den neuen Chef-Sessel in Wien.

Tirols SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik betonte auf APA-Nachfrage, dass die Nachfolge zuerst intern besprochen werde. Erst danach wolle sie einen Kommentar dazu abgeben, meinte die Osttirolerin. Dennoch bekräftigte sie, dass Rendi-Wagner eine "super Politikerin" sei und jedenfalls die Fähigkeit hätte die SPÖ zu übernehmen.

Verschwiegen haben sich eigentlich nur die oberösterreichische SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer und der neue Vorarlberger SPÖ-Parteivorsitzende Martin Staudinger Beide wollten vor der offiziellen Präsentation der neuen Parteichefin keine Stellungnahme abgeben.

Parteivorsitzende ohne Hausmacht

Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner übernahm nach dem Tod von Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) deren Agenden. Die 47-jährige Medizinerin und Mutter zweier Mädchen ist mit dem Diplomaten Michael Rendi verheiratet, der Kabinettschef von SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda im Bundeskanzleramt war.

Rendi-Wagner ist Mitglied im Bund sozialdemokratischer Akademiker (BSA). Erst als sie Ministerin wurde, trat sie auch der SPÖ bei. Sie verfügt über keine Hausmacht, ist weder im ÖGB noch bei den SPÖ-Frauen verankert. Derzeit sitzt sie als Gesundheitssprecherin der SPÖ im Nationalrat.

Umfrage-Absturz 

Der linkische Abgang von Parteichef Christian Kern hat der SPÖ jedenfalls geschadet: In einer Umfrage der Tageszeitung "Österreich" vom 19./20. September kam die SPÖ nur auf 24 Prozent. Für die EU-Wahl sieht es dagegen gut aus.

Denn mit Kern als Spitzenkandidat könnte die SPÖ - mit 28 Prozent - laut dieser Umfrage des Research Affairs Insituts (506 Befragte) zumindest mit der ÖVP gleichziehen. Bei der EU-Wahl 2014 war die SPÖ mit 24,2 Prozent klar Zweite hinter der ÖVP mit 27,3 Prozent.

Innenpolitisch hat der Rückzug Kerns allerdings das Gegenteil bewirkt: Die SPÖ steht um drei Prozentpunkte schwächer das als vor zwei Wochen - und mit nur mehr 24 Prozent gleichauf mit der FPÖ. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als die ÖVP laut der Umfrage bekäme, würde am nächsten Sonntag der Nationalrat gewählt. Die NEOS liegen bei acht Prozent, die Grünen bei vier und die Liste Pilz bei zwei.