Wien. Die Verschuldung unter Jugendlichen nimmt zu. Um diesem Trend entgegenzuwirken, muss das Motto künftig lauten: "Über Geld spricht man" - besonders mit Kindern. Zu diesem Ergebnis ist ein Forscherteam der Universität Wien um die Bildungspsychologin Christiane Spiel gekommen. Im Auftrag der "Münze Österreich" untersuchen die Wissenschafter die Finanzkompetenz bei Kindern von der fünften bis zur achten Schulstufe. Nun haben sie erste Ergebnisse präsentiert. Die Forscher ergründen wissenschaftliches Neuland, denn bisherige Untersuchungen zum Thema setzen sich mit über 15-Jährigen auseinander.

Finanzielle Bildung kommt
in der Schule zu kurz


"Wir sehen uns in der sozialen Verantwortung, was den Umgang mit Geld in Österreich betrifft", sagt "Münze Österreich"-Generaldirektor Gerhard Starsich. Durch die fortschreitende Technisierung haben Kinder immer früher Zugang zum Internet, über das sie sich ihre materiellen Wünsche mit nur einem Befehl erfüllen können. Deshalb muss früh mit der finanziellen Bildung begonnen werden. In der Schule kommt sie zu kurz. Nur 18 Prozent der befragten Schüler gaben an, dass im Unterricht über Geld geredet werde. Und dann vorrangig anhand von Themen, zu denen sie keinen Bezug haben. "Solange bestimmte Inhalte nicht verpflichtend sind, wird sich nicht viel ändern", befürchtet Spiel. Den Fächerkanon zu adaptieren sei in Österreich sehr schwierig. In einer sich schnell wandelnden Welt hinke die Schule als zentrale Bildungsinstitution hinterher.

Finanzielle Bildung muss aber auch zu Hause passieren. 61 Prozent der Befragten reden mit ihren Eltern über Geld. Wenn sich Kinder nach der Miete oder den Kosten für ein Auto erkundigen, entgegnen die Eltern oft, dass sie sich über solche Dinge keine Gedanken machen müssen. Das ist gut gemeint, langfristig aber kontraproduktiv. Viele Jugendliche haben keine Vorstellungen davon, wie wenig ihres Geldes ihnen zur freien Verfügung bleiben wird, wenn sie einen eigenen Haushalt gründen, sagt Christiane Spiel.

Taschengeld muss dem Alter
der Kinder angepasst werden


Es ist erwiesen, dass Länder mit einer finanziell kompetenten Bevölkerung wirtschaftlich stabiler sind. Regelmäßiges Taschengeld lehrt früh den Umgang mit Kapital, so die Experten. Für Kinder bis 12 Jahre sei wöchentliches Taschengeld angemessen, für ältere monatliches, sagt die Bildungspsychologin Marlene Kollmayer, ebenfalls Teil des Forschungsteams. Tägliches Taschengeld sei nicht sinnvoll, auch weil damit häufig die Erwartung verbunden sei, dass es am selben Tag für Essen ausgegeben werde. Wichtig ist jedenfalls, dass definiert wird, was selbst zu bezahlen ist und wofür die Eltern aufkommen. Und wenn sich die Kinder Geld ausborgen, soll es zurückgefordert werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie nicht lernen, mit Schulden umzugehen. Als nächsten Schritt plädieren die Forscher für eine nationale Finanzbildungsstrategie. Die Studie wird bis April 2019 fortgesetzt.