Wien. Wartenummer ziehen und Formulare mit dem Kugelschreiber ausfüllen war gestern. Der moderne Bürger von heute erledigt seine Amtsgeschäfte über das Internet, weist sich mit der virtuellen Bürgerkarte aus und unterzeichnet mit der elektronischen Signatur.

Besonders gern geht der österreichische Steuerzahler auf das digitale Finanzamt, um die Arbeitnehmerveranlagung einzureichen. Das im Jahr 2003 gestartete Internetportal FinanzOnline hat Erfolgsgeschichte geschrieben: 2017 wurden von 4,1 Millionen Arbeitnehmerveranlagungen 2,8 Millionen elektronisch abgewickelt. Ende August zählte das Finanzministerium 4,7 Millionen FinanzOnline-Teilnehmer, davon waren 4,2 Millionen Arbeitnehmer und 500.000 Unternehmen. Rund 513.000 Teilnehmer verwenden dabei die Bürgerkarte mit Chipkartenlesegerät oder die Handy-Signatur.

Die Regierung hat das Angebot an E-Government-Anwendungen in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut. Derzeit können bereits rund 200 Vorgänge online abgewickelt werden: Pensionsantrag, Einblick in das Pensionskonto, Strafregisterbescheinigung oder profanere Dinge wie An- und Abmelden von Hunden und Biotonnen-Bestellungen. Rund um die Uhr Amtswege erledigen zu können, wird als sehr praktisch empfunden.

Auch die Unterstützer der Volksbegehren, die von 1. bis 8. Oktober 2018 zu den Themen Frauen, Nichtrauchen und ORF-Gebühren aufliegen, können mittels digitalem Ausweis online unterschreiben und ersparen sich damit den Weg in das Eintragungslokal ihrer Gemeinde.

Wenn die Behörde nur mehr elektronisch kommuniziert

Über eine Million Bürger sind derzeit als User der Handy-Signatur registriert. "In den letzten 24 Stunden sind damit 40.000 Anwendungen erfolgt", sagt Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich und Sonderbeauftragter für Digitalisierung in der Wirtschaftskammer, auf Anfrage der "Wiener Zeitung".

Im EU-Schnitt macht sich Österreich diesbezüglich sehr gut, und zwar "ohne dass wir die Bürger dazu gezwungen haben", betont Rupp. In Estland etwa müsse jeder eine elektronische Unterschrift haben. Dänische Behörden kommunizieren überhaupt nur mehr elektronisch mit den Bürgern über die "e-boks", die jeder ab dem 15. Lebensjahr bekommt.

Wer nicht regelmäßig in seinen digitalen Briefkasten hineinschaut und dadurch wichtige behördliche Schreiben verpasst, ist selber schuld. Eine Freistellung von der digitalen Post ist nur dann möglich, wenn eine Begründung erfolgt, zum Beispiel Sprachschwierigkeiten oder Invalidität.