Wien. (apa/red) Im Gegensatz zur vernichtenden Kritik der Oppositionsparteien stoßen die Pläne der Bundesregierung für eine Reform an Volks- und Neuen Mittelschulen beim Verband der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen auf wohlwollendes Echo. Sie teile die Hoffnung von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), dass durch Maßnahmen wie die wahlweise Einrichtung von Leistungsgruppen die soziale Durchmischung an Mittelschulen verbessert werde, sagte die neue Sprecherin Evelyn Kometter.

Faßmanns Gesetzesentwurf für ein Pädagogikpaket ist jetzt in Begutachtung. Es sieht unter anderem zwei Leistungsstufen in Mittelschulen und die Wiederführung von Ziffernnoten und Sitzenbleiben in den Volksschulen vor.

"Uns Eltern ist die Möglichkeit der Begabtenförderung ganz wichtig." Kometter sieht mit den Leistungsgruppen eine Forderung der Elternseite umgesetzt. Außerdem sei es in kleineren Gruppen in den Hauptfächern "einfacher und wesentlich effizienter", alle Schüler auf dasselbe Niveau zu bringen, Schüler mit Schwächen zu fördern und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Klasse mit nicht-behinderten Schülern zu unterrichten.

Dem bisher an Mittelschulen oft eingesetzten Teamteaching, bei dem zwei Lehrer in Deutsch, Mathematik und Englisch gemeinsam unterrichten, stellt sie kein gutes Zeugnis aus. Hier habe es in der Praxis meist einfach einen Lehrer und einen Aufpasser gegeben. Positives erwartet sie sich nun von verpflichtenden Bewertungsgesprächen über Leistungsstärken und Leistungsstand auch an Volksschulen.

Keine Zustimmung gibt es hingegen vom Pflichtschulelternverband für eine mögliche Einführung von Herbstferien, die schon für 2019 überlegt werden. Denn diese würden eine wichtige Lernphase unterbrechen. Sollten sie kommen, dann nur kombiniert mit einer Neustrukturierung der Ferien. So müssten etwa die zwei freien Dienstage nach Pfingsten und Ostern wegfallen.

Strache verteidigt die Wiedereinführung der Noten

Zudem stellen die Elternvertreter zwei weitere Bedingungen: Lehrer sollen sich in dieser Zeit verpflichtend fortbilden müssen. Ferner müsse es für die Kinder bei Bedarf Betreuungsangebote samt Förderung an Schulen geben.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) hat im Pressefoyer nach dem Ministerrat die Wiedereinführung von Schulnoten als "längst notwendig" verteidigt. Nicht die Einführung, sondern die Abschaffung der Noten sei "retro" gewesen: "In der Steinzeit war so etwas üblich." Die SPÖ und Kritiker hatten die türkis-blauen Schulvorhaben als "retro" kritisiert. Die Regierung wolle "den Leistungsgedanken wieder in den Vordergrund stellen" und "Fehler der Vergangenheit korrigieren", meinte Strache. Bildungsminister Faßmann wehrte sich ebenfalls: Es gehe nicht um ein Zurückdrehen von Dingen. "Dass die Opposition von Retro spricht, habe ich erwartet."

Der Elternverband für Pflichtschulen hat sich auch mit einem Kopftuchverbot beschäftigt. Ergebnis: Man hat sich auf eine Forderung nach einem generellen Verbot von Kopfbedeckungen an Schulen geeinigt.