H. spielt in vielerlei Hinsicht eine integrative Rolle in der staatsfeindlichen und auch in der extrem rechten Szene. Er fungierte, das zeigen vorliegende Dokumente, im "Geheimdienst" des "ICCJV", als einer der Vizepräsidenten und meldete diesen auch in der Schweiz als Verein an. Anhand der Aktivitäten und Netzwerke von H. lässt sich gut zeigen, wie eng das Milieu der Staatsverweigerer mit jenem der extremen Rechten und den Anhängern des Regimes von Russlands Präsidenten Wladimir Putin verwoben ist. Eigentlich ist H. nämlich Firmenchef, und zwar von "Systema Austria", einer Kampfsportschule, die die gleichnamige aus Russland stammende Nahkampfmethode unterrichtet. "Systema" organisiert paramilitärisch wirkende "Bootcamps" und "Bushcraft"-Lager, auch für Kinder und Jugendliche. In YouTube-Videos ist zu sehen, wie selbst kleine Kinder sich im Stockkampf üben. Nicht "Zerstörung" sei das Ziel der Kampfkunst, ist im Netz zu lesen. "Systema" sei "konzipiert, um zu erstellen, zu bauen und zu stärken, Ihren Körper, Psyche, ihre Familie und ihr Land". "In allen Bundesländern" will man daher Kampfsport-Gruppen aufbauen. Wie die Pilze schossen "Systema"-Schulen in den vergangenen Jahren in ganz Westeuropa aus dem Boden.

Allerdings: Hinter der Organisation, in deren Logo ein russischer Wolfskopf und gekreuzte Schwerter prangen, scheint mehr zu stecken als nur Interesse an Kampfsport.

Subversion aus Moskau?

Zahlreichen Presseberichten in Deutschland und der Schweiz zu folge soll der russische Geheimdienst GRU hinter "Systema" stehen, auch der Autor und Investigativjournalist Boris Reitschuster beruft sich in seinem Buch "Putins verdeckter Krieg" auf Geheimdienstpapiere, wonach das russische Regime "Systema" als Teil ihres subversiven Konzepts gegen den Westen einsetzen soll. Zurückgehen soll das Konzept auf die sowjetischen "Speznas", Spezialkampftruppen.

Abseits seiner Begeisterung für russischen Kampfsport zeigt H. auch keinerlei Berührungsängste mit Revisionismus. Auf Facebook postete er einen Beitrag eines russischen Blogs mit einem Foto eines im Februar 1945 von russischen Truppen verübten Massakers, das dieser aber den Westalliierten andichten wollte. "Leute lernt Geschichte und ihr versteht so manche Situation in der wir uns befinden besser", kommentierte H. damals. Einen Rechtsstreit mit dem Innsbrucker Blogger und Aufdecker Dietmar Mühlböck verlor H. in allen Instanzen.

Verbindungen pflegt H. offensichtlich auch zum umstrittenen Suworow-Institut in Wien. Im Jänner lud man dort den russischen Ultranationalisten und Rechtsesoteriker Alexander Dugin zu einem Vortag ein. Vom Suworow-Institut lassen sich Verbindungen zum ehemaligen Chef der rechtsextremen "Identitären" wie auch zu FPÖ-Politiker Johann Gudenus nachweisen.