Wien. 1184 Österreicher (Frauen und Männer) sind zwischen 1942 und 1945 im Wiener Landesgericht auf Geheiß des nationalsozialistischen Regimes mit dem Fallbeil geköpft worden. Der damalige Anstaltsseelsorger Heinrich Zeder hat über das Morden penibel Buch geführt und die Hingerichteten mit seinen genauen Listen vor dem endgültigen Vergessen bewahrt.

Tötungsmaschine im Wiener Landesgericht. Mit ihr wurden hunderte Antifaschisten geköpft. - © Egon Humer
Tötungsmaschine im Wiener Landesgericht. Mit ihr wurden hunderte Antifaschisten geköpft. - © Egon Humer

Der Autor Willi Weinert hat den Opfern mit einer Porträtsammlung in Buchform "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer" biografische Denkmäler gesetzt. Der Band ist im Wiener Stern-Verlag erschienen. Der "Verein zur Erinnerung" hat diese Lebensgeschichten nun auch in eine digitale Form gebracht. Mittels QR-Code, der auch bei den Gräbern der Nazi-Opfer angebracht wurde, lassen sich deren Geschichten, Bild- und Dokumentationsmaterial nun direkt mit dem Smartphone abrufen.

Nationale Gedenkstätte: Zentralfriedhof, Gruppe 40 mit Leopold Grausams Stele. - © Egon Humer
Nationale Gedenkstätte: Zentralfriedhof, Gruppe 40 mit Leopold Grausams Stele. - © Egon Humer

Mehr als 600 der Hingerichteten sind an der Nationalen Gedenkstätte im Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40) beigesetzt. Darunter auch die von der katholischen Kirche unter Papst Johannes Paul II. seliggesprochene Schwester Restituta. Sie hieß mit bürgerlichem Namen Helene Kafka. Die nunmehr 92-jährige Widerstandskämpferin Käthe Sasso hat sich um die würdige Gestaltung und Pflege der Gedenkstätte besonders verdient gemacht.

Digitale Erschließung

Das Projekt zur digitalen Erschließung der Gruppe 40 hat als Initiator den Autor Jürgen Heimlich. Seine Idee wurde von Nationalfonds und Zukunftsfonds der Republik unterstützt. Der "Verein Zur Erinnerung" des Wiener IT-Unternehmers Egon Humer hat es mit seinem Know-how umgesetzt. "Wir wollen einen Erinnerungsraum im Internet schaffen", erklärte der frühere Dokumentarfilmer. "Es geht mir darum, den Menschen für immer eine Biografie und Geschichte zu geben."

Die geführte Begehung zu einer Art formellen Eröffnung des Digitalprojektes rund um die Gruppe 40 am Zentralfriedhof findet mit der Staatssekretärin im Innenministerium, Karoline Edt-stadler (ÖVP), am Sonntag, 28. Oktober um 10 Uhr statt. Der Eröffnungsakt steht am Ende eines viertägigen Symposiums, welches "Zur Erinnerung" gemeinsam mit dem "Verein Justizgeschichte und Rechtsstaat" sowie mit vielen Künstlern und Autoren veranstaltet wird.

Auf dem Programm stehen unter anderem: Führungen durch den ehemaligen Hinrichtungsraum im Wiener Landesgericht, Lesungen aus den Briefen Hingerichteter, Fachvorträge und Podiumsdiskussionen. Unter den Gästen des Symposiums finden sich der Historiker Stefan Karner und die Enkelin des seinerzeitigen nationalsozialistischen Gauleiters von Wien, die Philosophin Ariadne von Schirach. Im Mittelpunkt der Tagung stehen vor allem auch die Angehörigen der Opfer der Gewaltherrschaft. Für sie soll entsprechender Raum für Begegnung und Reflexion vorhanden sein.