Wien/Innsbruck. (temp/apa) Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stellte die Pläne der türkis-blauen Regierung in Sachen Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler in Frage. Tirol werde die Doppelstaatsbürgerschaft "nicht forcieren", erklärte Platter am Dienstag.

Die Doppelstaatsbürgerschaft habe bei der Landtagswahl in Südtirol am vergangenen Sonntag "bei weitem nicht diese Rolle gespielt", so Platter. Auf die Frage, ob er auch dafür eintrete, dass die Bundesregierung das Vorhaben ad acta lege, sagte er: "Wünsche übermittle ich persönlich."

Die Südtiroler Volkspartei (SVP) musste bei der Landtagswahl erneut Verluste hinnehmen, blieb aber dennoch die mit Abstand stärkste Kraft. Die seit 1948 regierende Partei erreichte laut vorläufigem amtlichem Endergebnis 41,9 Prozent der Stimmen, was ein Minus von 3,8 Prozentpunkten gegenüber 2013 bedeutet. Für die Südtiroler Freiheitlichen endete die Wahl in einem Desaster, die
rechte Lega legte indes stark zu.

Das Thema Doppelpass sei bei der Wahl schlicht nicht relevant gewesen, analysierte auch der Politologe Pallaver von der Universität Innsbruck nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses. Die Besuche österreichischer Regierungspolitiker hätten ebenfalls überhaupt keinen Einfluss auf die Wahl gehabt, meinte Pallaver, der davon ausgeht, dass das österreichische Doppelpass-Vorhaben nun "einschlafen" werde. "Wenn es aus Südtirol kein Interesse gibt, warum sollte Österreich dann einen Streit mit Italien riskieren?", fragte Pallaver.

Der Südtiroler Schützenbund zeigte indes kein Verständnis und kritisierte Platter scharf. Dieser verprelle mit seinem Vorstoß viele Österreich- und Tirol-freundliche Kräfte in Südtirol, meinte Landeskommandant Elmar Thaler.