Wien. Der Umbau des Parlaments ist im vollen Gange. Gerade werden die Fenster der Reihe nach ausgebaut, um später saniert wieder eingesetzt zu werden. Seit Ende September ist das Dach über dem Nationalratssitzungssaal offen. Auch darunter klafft ein tiefes Loch, wo gerade die Vorarbeiten für die neuen Ausschusslokale auf der Erdgeschoßebene laufen. Das Fertigstellungsdatum musste um acht Monate nach hinten verlegt werden - vom Spätsommer 2020 auf das Frühjahr 2021. Grund waren Ausschreibungen, die noch neu aufgesetzt werden mussten. Finanziell soll sich alles noch im gesetzlich festgehaltenen Rahmen von 352,2 Millionen Euro befinden. Wenn auch einige kleinere Teile des Projekts gestrichen werden müssen, um diese Vorgabe einzuhalten.

Statt dem Loch über dem Nationalrat soll es am Ende der Sanierungsarbeiten ein neues Glasdach geben. Rund 35 Meter beträgt dann die Höhendifferenz vom künftigen Dachfirst zum neuen Besucherzentrum im Erdgeschoß. Es wird ebenerdig vom Ring zu begehen sein. Seine Räume stehen in Gestalt und Größe fest. 1500 Quadratmeter verteilen sich auf Agora ("Marktplatz"; 900 Quadratmeter, siehe Foto oben), zwei Ausstellungsräume zu je 200 und weitere zwei Räume mit je 100 Quadratmeter.

Fischen nach Informationen

Die Ausstattung und auch die Funktionalität sind noch offen. Darüber können interessierte Bürger ab dem morgigen Nationalfeiertag und mittels eines Crowdsourcing-Verfahrens mitbestimmen. Crowdsourcing bezeichnet das Fischen nach Informationen in der Menge, das Nutzen der "Schwarmintelligenz", um den Horizont zu erweitern und die Betroffenen - in diesem Fall die künftigen Nutzer des Besucherzentrums - einzubeziehen.

Dass Crowdsourcing als eine Form der Bürgerbeteiligung eingesetzt werden soll, war eines der Ergebnisse der groß angelegten Enquete zur Demokratiereform 2015 und wurde im Entschließungsantrag des Nationalrats vom 16. Mai 2017 festgehalten. Bereits im Frühsommer 2017 war das erweiterte Begutachtungsverfahren als erster Teil des Demokratiepakets vom Nationalrat beschlossen worden. Durch die Nationalratswahl gab es allerdings erst ab Anfang dieses Jahres die Möglichkeit zur Stellungnahme zu Gesetzen.

Mit dem Crowdsourcing-Verfahren des Parlaments zum Besucherzentrum werden nun in einem Pilotprojekt erste Erfahrungen gesammelt. Genau lautet die Frage: "Wie sollte das neu gestaltete Besucherzentrum unseres Parlaments aussehen und was sollte es bieten, damit möglichst viele Bürgerinnen und Bürger ihr Parlament, seine Arbeitsabläufe und Räumlichkeiten kennenlernen können und wollen?" Gemeinsam mit dem Dienstleister "Insights" wird das Projekt abgewickelt.