Gleichheit durch die Uniform: Das Bundesheer sieht sich selbst als Hort der Integration. - © apa/Hans Punz
Gleichheit durch die Uniform: Das Bundesheer sieht sich selbst als Hort der Integration. - © apa/Hans Punz

Wien. Was das tägliche Rasieren betrifft, haben es strenggläubige Muslime heute deutlich leichter als noch vor kurzer Zeit. Denn was ehemaligen Grundwehrdienern aufgrund der eigenen Erfahrungen beim Wehrdienst schlicht undenkbar erscheinen mag, ist heute ganz selbstverständlich. "Einmal am Tag ist das Gesicht glattrasiert!", dieser Befehl hat ausgedient, egal ob religiös oder modisch, Barttragen ist erlaubt.

Auch wenn diese Aufhebung der einst strengen Vorschrift ursächlich nichts mit Muslimen oder anderen religiösen Minderheiten zu tun hat, ist klar: Junge Männer mit migrantischem Hintergrund rücken immer stärker ins Zentrum der Rekrutierungsbemühungen des österreichischen Bundesheeres. Die lange Tradition von Soldaten mit muslimischem Glaubensbekenntnis im Heer ist allseits bekannt, nach der Annexion Bosniens durch die Habsburgermonarchie zählten Bosniaken sogar zu den Elitetruppen des Kaiserreichs. Spricht man mit Offizieren und Seelsorgern des Heeres, wird deutlich: Nicht nur wird auf Soldaten mit anderen Religionen als dem Christentum besondere Rücksicht genommen, auch finden sich schon jetzt unter Chargen, Unteroffizieren und Offizieren immer mehr Österreicher mit Migrationshintergrund. Das ist gut so, befindet das Bundesheer. Und soll auch weiter vorangetrieben werden.

Zuerst Dienst, dann Gebet

Wie viele muslimische Soldaten beim Heer als Grundwehrdiener oder als Berufssoldaten dienen, wird nicht erhoben. Aus gutem Grund, sagt Oberst Stefan Kirchebner. Was zählt, ist die österreichische Staatsbürgerschaft. Der Kommandant der Garde ist mitten in den Vorbereitungen für die Angelobungsfeier am Heldenplatz am Nationalfeiertag. Auch dieses Jahr werden unter den Rekruten zahlreiche Moslems sein, die Garde ist bekannt dafür. Warum? Die Grundwehrdiener beim Heer stellen schon immer einen Schnitt durch die Gesellschaft dar, sagt Kirchebner. "Die Garde ist in Wien stationiert, unsere Soldaten kommen zu rund 35 Prozent aus den Bundesländern, rund 60 Prozent kommen aus Wien." Die Garde sei eine der wenigen in Wien stationierten größeren Einheiten, und die hier höhere Dichte an Moslems bilde sich in den Grundwehrdienern ab.

"Wir reden hier nicht über Integration, wir führen sie aus", sagt Kirchebner. Gleich bei der Begrüßung stelle er immer klar: Unterschiede nach der Religion gebe es hier keine, und trotz aller Rücksichtnahme auf die Konfession gelte der Grundsatz "zuerst der Dienst und dann das Gebet." Spannungen zwischen Grundwehrdienern "kommen vor", sagt der Kommandant, seien aber keineswegs an der Tagesordnung. Im Gegenteil. "Die Grundausbildung bei der Garde ist hart, die jungen Männer teilen diese Erfahrung. Das schweißt zusammen und lässt Unterschiede in den Hintergrund treten."