Wien/Bozen. (temp/apa) Nach starken Regenfällen im Süden und Westen Österreichs hat sich am Montag vor allem Kärnten für ein drohendes Hochwasser gerüstet. Im Bezirk Spittal/Drau wurde die Drautal-Bundesstraße (B100) gesperrt, die Pflichtschulen im Bezirk bleiben am Dienstag und Mittwoch geschlossen. Auch in Osttirol bekommen heute, Dienstag, alle Schüler frei. Am Brenner kam es auf Südtiroler Seite zu Sperren. Die Südtiroler Brennerautobahn (A22) war wegen eines Murenabgangs am Sonntagabend blockiert.

In Italien hat die Unwetterfront mit Starkregen und Sturmböen seit Sonntag sogar mehrere Menschenleben gekostet. In Kärntens friaulischer Nachbarprovinz Udine kam es zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Aufgrund der heranziehenden Regenwetterfront rief Südtirol am Montag die höchste Alarmstufe "Rot" aus. Es handle sich demnach um "eine Krise, die nicht nur große Gebiete erfasst, sondern sich stetig intensivieren kann", so das Land in einer Aussendung. Die Landesleitstelle, in der alle Fäden aller Einsätze zusammenlaufen, wurde aktiviert.

Das Italientief soll in Oberkärnten weiterhin viel Regen, Gewitter und teils heftige Stürme bringen. Österreichs Einsatzkräfte rechnen mit einem Ansteigen der Wasserstände. Für Lavamünd, das vor sechs Jahren von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht worden war, besserten sich die Prognosen zwar, dafür wurde diesmal wegen des drohenden Hochwassers die Drautal-Bundesstraße (B100) im Bezirk Spittal/Drau von Möllbrücke bis zur Osttiroler Grenze für den Durchzugsverkehr gesperrt. Montag ab 17 Uhr sollte der Zugsverkehr zwischen Spittal und Lienz eingestellt werden.

Fast noch mehr Sorgen als das Wasser bereitet den Verantwortlichen der angekündigte Föhnsturm. So rief der Bezirkshauptmann von Klagenfurt-Land, Johannes Leitner, die Bevölkerung im Rosental dringend auf, von Montagabend bis mindestens Mitternacht die Häuser nicht zu verlassen und Autofahrten zu unterlassen.

Auch im Süden Salzburgs wurde in der Nacht auf Dienstag ein orkanartiger Föhnsturm erwartet. Laut Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik sind dabei Windböen von bis zu 130 Stundenkilometer möglich.

Hilfspaket wegen Dürre

Der Klimawandel mache Wetterkapriolen extremer, so der Tenor der Klimaforscher. Im heurigen Sommer war es wiederum ungewöhnlich lange heiß und trocken, weshalb die Bundesregierung nun ein Maßnahmenpaket für die Land- und Forstwirtschaft in der Höhe von 60 Millionen Euro schnürte. Die Hitze habe zu Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro in der Forstwirtschaft vor allem durch den starken Borkenkäferbefall, und von 300 Millionen Euro durch Trockenheit und Dürre in der Landwirtschaft geführt, sagten am Montag die Agrarsprecher von ÖVP und FPÖ, Georg Strasser und Maximilian Linder. Sie appellierten an die Bauern, sich stärker gegen Wetterextreme zu versichern. Denn aufgrund des Klimawandels werde die Intensität der Schäden zunehmen. Aktuell sind laut Hagelversicherung 85 Prozent der Fläche gegen Hagel versichert.